Wählen gehen, Haltung zeigen, Verantwortung übernehmen

„Mehrere Wahlen stehen bevor – und mit ihnen die Verantwortung, Demokratie nicht durch Angstparolen zu beschädigen. Die Islamische Gemeinschaft ruft zu Besonnenheit, klarer Abgrenzung nach rechts und zur Wahlteilnahme auf“, erklärt Ali Mete, Generalsekretär der Islamischen Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG). Anlass sind anstehenden Wahlen am 8. März 2026 in Baden-Württemberg, am 15. März 2026 in Hessen, am 22. März 2026 in Rheinland-Pfalz sowie Kommunalwahlen in Frankreich am 15. und 22. März 2026. Ali Mete weiter: „Mit Blick auf die anstehenden Wahlen ruft die Islamische Gemeinschaft alle demokratischen Kräfte zu Verantwortung, sprachlicher Disziplin und gesellschaftlicher Besonnenheit auf. Gerade in den letzten Tagen vor einer Wahl entscheidet nicht nur das Programm, sondern auch der Ton. Wer mit rechtspopulistischen Schlagworten arbeitet, wer Menschen gegeneinander ausspielt oder Ressentiments bedient, mag kurzfristig Aufmerksamkeit gewinnen, trägt aber langfristig dazu bei, dass rechtsextreme Positionen normalisiert werden. Demokratische Parteien dürfen Rechtsextremen nicht Wasser auf die Mühlen tragen, indem sie deren Sprache, deren Feindbilder oder deren kalkulierte Härte übernehmen. Wer Feuer mit Funken bekämpfen will, darf sich nicht wundern, wenn am Ende das Haus der Demokratie brennt. Wahlen sind kein Nebenschauplatz der Demokratie, sondern ihr friedlicher Prüfstein: Sie legitimieren politische Macht, binden Regierende an den Willen der Bevölkerung und geben dem Gemeinwesen Stabilität. Darum rufen wir alle Bürgerinnen und Bürger eindringlich auf, von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen. Nicht wählen heißt in Zeiten gesellschaftlicher Verrohung allzu oft, anderen das Feld zu überlassen. Aus islamischer Sicht ist die Verantwortung für das Gemeinwohl kein freiwilliger Luxus, sondern Ausdruck von Gewissen, Gerechtigkeit und moralischer Reife. Wer Einfluss auf das gesellschaftliche Miteinander nehmen kann, sollte sich dieser Verantwortung nicht entziehen. Die Beteiligung an Wahlen ist deshalb nicht nur ein demokratisches Recht, sondern auch eine Form gelebter ethischer Verantwortung für Frieden, Würde und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Die Botschaft der Islamischen Gemeinschaft ist klar: Demokratie braucht Beteiligung, Anstand in der Sprache und eine unmissverständliche Abgrenzung gegen jeden Rechtsruck.“

Wählen gehen, Haltung zeigen, Verantwortung übernehmen Weiterlesen »

Zakat, Infâk, Fidya und Fitra

Verehrte Muslime! Iman und Amal, also Glaube und Handlung, gehören untrennbar zusammen. Ein Muslim weiß, dass es zum Iman gehört, auf gottgefällige Weise seinen Unterhalt zu verdienen und auch auf gottgefällige Weise zu konsumieren. Darüber hinaus gehört es zum Iman, mit anderen zu teilen, was man besitzt. Besitz ist nämlich etwas, das uns von Allah anvertraut wurde und andere, vor allem Bedürftige, haben ein Recht haben daran. Allah lehrt uns, was Güte und Aufrichtigkeit wirklich bedeuten: „Religiös ist, wer sein Geld, auch wenn er selbst Bedarf hat, für seine Angehörigen und die Waisen, die Armen und den Reisenden, die Bettler und die Gefangenen ausgibt; und wer das Gebet verrichtet; und wer die Zakat zahlt; und die, welche ihre eingegangenen Verpflichtungen einhalten und in Unglück, Not und Gefahr standhaft sind: Sie sind es, die aufrichtig und gottesfürchtig sind.“[1] Die Zakat ist eine der fünf tragenden Säulen des Islams. Der Gesandte Allahs (s) sagte: „Spenden und Zakat vermindern den Besitz nicht.“[2] Vielmehr bewirkt sie Gutes: Die Zakat reinigt das Vermögen, das Herz und schafft Ausgleich in der Gesellschaft. Unser Prophet hat die Zakat als ein sichtbares Zeichen des Muslimseins beschrieben. Liebe Gemeinde! Das Geben für Allah ist nicht auf die Zakat begrenzt. Jede aufrichtige Gabe für Allah ist Infâk. Die Hand, die einem Armen gereicht wird, das Herz, das sich eines Waisenkindes annimmt, die Unterstützung, die einem Verschuldeten Erleichterung verschafft, all das ist Infâk. Allah verspricht denen, die glauben, das Gebet verrichten und Zakat geben, großen Lohn. Das zeigt uns, dass Teilen nicht nur das Jenseits erhellt, sondern auch im Diesseits Frieden schenkt. Die Fitra ist eine besondere Form des Gebens. Sie ist der Dank dafür, dass wir den Monat Ramadan erleben durften. Jeder Muslim, der über seine grundlegenden Bedürfnisse hinaus über Besitz verfügt, ist verpflichtet, für sich selbst und für die Menschen, für die er Verantwortung trägt, die Fitra zu entrichten. Sie soll vor dem Fest gegeben werden, damit auch Bedürftige das Fest mit Würde und Ruhe begehen können. Fitra darf an dieselben Personen gegeben werden, die auch Zakat empfangen dürfen. Wer keine Zakat erhalten darf, darf auch keine Fitra erhalten. Fidya geben jene, die aus gesundheitlichen Gründen nicht fasten können und keine Möglichkeit haben, das Fasten nachzuholen. Für jeden versäumten Tag wird ein Betrag gegeben, der ausreicht, um einen Bedürftigen zu sättigen. Die Höhe der täglichen Fidya entspricht der festgelegten Fitra. Auch dies ist Ausdruck verantwortungsvoller Dienerschaft gegenüber Allah. Zakat, Infâk, Fitra und Fidya sind tragende Säulen sozialer Gerechtigkeit und gelebter Geschwisterlichkeit. Lasst uns großzügig geben und unseren Besitz mit Segen erfüllen, unsere Herzen reinigen und die Bedürftigen erfreuen. Lasst uns den Segen des Ramadans nutzen, indem wir uns an der wertvollen Zakat- und Fitra-Arbeit von HASENE beteiligen. Möge Allah uns zu denen gehören lassen, die geben, sich ihrer Verantwortung bewusst sind, aufrichtig sind und Gottesfurcht leben. Möge er unsere Gebete, unser Fasten sowie unsere Zakat und unsere Spenden annehmen. Âmîn. [1] Sure Bakara, 2:177 [2] Muslim, Birr, 69   Hutba  – Türkisch Hutba – Deutsch Hutba – Schwedisch  Hutba – Fransösisch Hutba – Englisch Hutba –  Arabisch Hutba- Niederländisch  Hutba – Dänisch

Zakat, Infâk, Fidya und Fitra Weiterlesen »

Gewalt schafft keinen Frieden

„Kriege bringen kein Heil, sondern Leid. Nötig sind Besonnenheit, Menschlichkeit und der ernsthafte Wille, Leben zu schützen statt Gewalt zu verlängern“, erklärt Kemal Ergün, Vorsitzender der Islamischen Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG), anlässlich des Krieges im Iran. Kemal Ergün weiter:  „Die Islamische Gemeinschaft blickt mit großer Sorge auf die aktuelle Eskalation rund um den Iran. Auch wenn der Iran viel Leid verursacht hat, ist Krieg keine Lösung. Die Angriffe, zumal im Ramadan, während die diplomatischen Gespräche fortgeführt wurden und bei denen Dutzende Schulkinder getötet wurden, können nicht gutgeheißen werden. Krieg und Gewalt schaffen Angst, führen zu Vertreibung und zerstören Lebensperspektiven. Immer sind es vor allem Zivilpersonen, die den höchsten Preis zahlen: Familien, Kinder, Kranke und ältere Menschen. Aus islamischer wie aus menschenrechtlicher Sicht steht fest: Jedes Menschenleben ist zu schützen. Deshalb braucht es jetzt und überall auf der Welt Besonnenheit, Dialog und die konsequente Achtung des Völkerrechts. Frieden entsteht nicht durch Bomben, sondern durch Verantwortung, Diplomatie und den ernsthaften Willen, weiteres Leid zu verhindern.“

Gewalt schafft keinen Frieden Weiterlesen »

Was ist Takwâ?

Verehrte Muslime! Einer der zentralen Begriffe des Korans ist Takwâ. Sie ist der Maßstab, der unsere Beziehung zu Allah, unseren Mitmenschen und zur gesamten Schöpfung ordnet. Allah spricht: „Der Angesehenste von euch bei Allah ist derjenige, der am meisten Takwâ besitzt.“[1] Damit sagt uns Allah, dass sein Maßstab nicht in der Abstammung oder Stellung liegt, sondern allein im Gottesbewusstsein. Das zeigt sich im ernsthaften Bemühen, Allahs Botschaft zu folgen. Takwâ beginnt im Herzen, vertieft sich in der Absicht und wird im Handeln sichtbar. Das Gebet gewissenhaft zu verrichten, den eigenen Lebensunterhalt halal zu verdienen, die Zunge vor Lüge und das Herz vor Missgunst zu bewahren – all das zeigt, dass jemand gottesbewusst ist. Ein Mensch mit Takwâ erinnert sich auch im Privaten daran, dass Allah mit ihm ist. Liebe Geschwister! Es ist auch wichtig zu wissen, was Takwâ nicht ist. Gut auszusehen, eine bestimmte Kleidung zu tragen oder religiös zu sprechen, ist keine Takwâ. Diese Äußerlichkeiten drücken Gottesbewusstsein nicht aus. Im Koran heißt es: „O Kinder Adams! Wir gaben euch Kleidung, um eure Blöße zu bedecken, und als Prunkgewänder. Aber das Kleid der Takwâ ist besser.“[2] Ein Mensch, der ein grobes Herz und einen schwachen Charakter besitzt und der andere kränkt, der hat keine Takwâ, selbst wenn er äußerlich noch so religiös erscheint. Denn Takwâ bedeutet, andere nicht zu verurteilen oder zu glauben, dass man besser ist als sie. Hochmut und Zurschaustellung sind Krankheiten, die den Geist der Takwâ zerstören. Auch ist es keine Takwâ, sich vollständig aus dem Leben zurückzuziehen, um das Jenseits zu gewinnen. Der Islam lehrt nicht die Flucht aus der Welt, sondern den verantwortungsvollen Umgang mit ihr. Takwâ bedeutet also nicht, Verantwortung zu meiden, sie ist ein gesundes Bewusstsein für Verantwortung. Gottesbewusst zu sein, bedeutet nicht, für die eigene Stellung oder für das Ansehen zu leben, sondern allein für Allahs Zufriedenheit. Wenn wir mit unseren Worten sagen, dass wir Allah fürchten, unser Leben aber nicht nach seinen Geboten ausrichten, dann ist es Heuchelei. Umar (r) fragte eines Tages Ubay ibn Kâb (r), was Takwâ ist und bekam die Antwort: Auf einem Weg voller Dornen zu versuchen, sich und seine Kleidung zu beschützen – das ist Takwâ. Lasst uns diese Hutba mit einem Duâ unseres Propheten (s) beenden: „Allah, gib meiner Seele ihre Takwâ und reinige sie. Du bist derjenige, der sie am besten reinigt. Du bist ihr Beschützer und ihr Herr.“[3] Âmîn [1] Sure Hudschurât, 49:13 [2] Sure Âraf, 7:26 [3] Muslim, Zikr, 73   [D] 27 2 26 [Hutba] [AR] 27 2 26 [Hutba] [TR] 27 2 26 [Takva Nedir] [SV] 27 2 26 [Hutba] [FR] 27 2 26 [Hutba] [EN] 27 2 26 [What Is Taqwa]  

Was ist Takwâ? Weiterlesen »

Takva Nedir, Ne Değildir

Aziz Müminler! Âlemlerin yegâne sahibi Allah (c.c.) bizleri imanla şereflendirmiş, Kur’an-ı Kerim’i bizlere rehber kılmıştır. Yüce Kur’an’da en çok kullanılan kavramlardan biri takvadır. Takva müminin hem Rabbi ile hem insanlarla hem de âlemle olan ilişkisini düzenleyen temel bir ölçüdür. Rabbimiz “Allah katında en değerli olanınız, Ona karşı gelmekten en çok sakınanınızdır.”[1] buyurarak üstünlüğün soyda veya makamda değil, takvada olduğunu bildirmiştir. Muhterem Müslümanlar! Genel anlamıyla takva Allah’a karşı derin bir saygı ve sorumluluk bilinciyle yaşamaktır. Onun emirlerini yerine getirme gayreti ve yasaklarından samimiyetle sakınmaktır. Takva kalpte başlar, niyete yerleşir ve davranışlara yansır. Namazı dosdoğru kılmak, kazancını helalden sağlamak; dili yalandan, kalbi kinden korumak takvanın göstergeleridir. Takva sahibi mümin yalnızken de Allah’ın huzurunda olduğunu bilir, gizlide de açıkta da aynı hassasiyeti gösterir. İbadetler takvanın temeli ve hayata yansıyan yüzü iken takva ibadetin ruhu ve yüce Allah’ın amelleri ve niyetleri ölçtüğü ölçüdür.  Yüce Allah Kur’an-ı Kerim’inde; “Sizden Allah’a ulaşacak olan tek şey takvanızdır.”[2] diye buyurmaktadır. Kıymetli Kardeşlerim! Takvanın ne olmadığını da iyi bilmemiz gerekir. Takva sadece dış görünüş, kıyafet ya da söz değildir. Şekilcilik takva değildir. Kur’an-ı Azîmüşşân’da “Ey Âdemoğulları! Size hem edep yerlerinizi örtecek bir elbise hem de giyinip süsleneceğiniz bir elbise indirdik. Takva elbisesine gelince, en güzel ve en hayırlı elbise işte odur.”[3] diye buyurulmaktadır. Kalbi katı, ahlakı zayıf, insanlara karşı kırıcı olan bir kimse ne kadar dindar görünürse görünsün takva ölçüsünü yakalayamaz. Takva insanları yargılamak, kendini başkalarından üstün görmek hiç değildir. Kibir ve riya takvanın ruhunu yok eden büyük hastalıklardır. Ayrıca, dünyadan tamamen kopmak da takva değildir. İslam dünyayı terk etmeyi değil, dünyada ahireti kazanmayı öğretir. Çalışmak, üretmek, rızık peşinde koşmak takvaya aykırı değildir. Takva harama bulaşmadan, haksızlığa sapmadan, helal ölçüler içinde yaşamaktır. Sorumluluktan kaçmak değil, sorumluluğu adaletle ve ahlakla yerine getirmektir. Takvaya günümüz diliyle “sorumluluk bilincidir” dense yeridir. Değerli Cemaat! Takva samimiyet ve ihlastır. Nefsi ve başkaları için değil, Allah rızası için yaşamaktır. Takva hayatın her alanında Allah’ın razı olduğu bir kul olmaya gayret etmektir. Dilimizle “Allah’tan korkuyoruz.” deyip, hayatımızı Onun emirlerine göre düzenlemiyorsak, bu riyakârlıktır. Hz. Ömer (r.a.) bir gün Übey b. Kâ’b (r.a.)’a takvanın ne olduğunu sorar. Übey (r.a) ona, “–Hiç dikenli bir yolda yürüdün mü?” diye sorar. Hz. Ömer, “–Evet, yürüdüm.” karşılığını verir. Bu sefer, “–Peki, ne yaptın?” diye sorar. Hz. Ömer, “–Elbisemi topladım ve dikenlerin bana zarar vermemesi için bütün gücümü sarf ettim.” cevabını verir. Bunun üzerine Übey (r.a.) şöyle der: “–İşte takva budur.”[4] Kardeşlerim! Ezcümle takva, Allah’ın razı olmayacağı bir hareketten titizlikle kaçınmak, Allah’ın emirleri karşısında hassasiyet göstermektir. Hutbemizi Peygamber Efendimiz (s.a.v.)’in şu duası ile bitirelim: “Allah’ım! Nefsime takvasını ver ve onu tezkiye et! Sen onu en iyi tezkiye edensin. Sen onun velisi ve Mevlasısın.” [1] Hucurât suresi, 49:13 [2] Hac suresi, 22:37 [3] A’râf suresi, 7:26 [4]  İbn-i Kesîr, Tefsîru’l-Kur’âni’l-Azîm, Beyrut 1988, I, 42.   [TR] 27 2 26 [Takva Nedir] [SV] 27 2 26 [Hutba] [FR] 27 2 26 [Hutba] [EN] 27 2 26 [What Is Taqwa] [AR] 27 2 26 [Hutba] [D] 27 2 26 [Hutba]

Takva Nedir, Ne Değildir Weiterlesen »

Herzensbildung und geistige Reinheit

Verehrte Muslime! Seit gestern dürfen wir den gesegneten Monat Ramadan erleben. Dieser Monat ist eine einzigartige Gelegenheit, unser Herz zu erziehen und uns innerlich zu reinigen. In diesem Monat erinnern wir uns daran, dass der wahre Wert des Menschen nicht an Reichtum, Stellung oder dem Äußeren gemessen wird, sondern an der Reinheit und Aufrichtigkeit seines Herzens. Unser Prophet (s) hat diese Maßgabe verdeutlicht, als er sagte: „Allah schaut nicht auf euer Äußeres und euren Besitz, sondern er schaut auf eure Herzen und eure Taten.“[1] Deshalb messen wir der Erziehung unseres Herzens große Bedeutung bei. Die Aufrichtigkeit des Herzens gewinnt ihren Sinn dadurch, dass die Ibâdas den Maßstäben von Koran und Sunna entsprechen. Ziel der individuellen Gottesdienste im Islam ist es, das Herz zu reinigen und das Ego zu überwinden. Ist das Herz von Aufrichtigkeit erfüllt, so sind auch Worte und Taten schön. Wird das Herz jedoch vernachlässigt, breiten sich Hochmut, Neid, Hass, Zorn, Heuchelei und die Liebe zur Welt als geistige Krankheiten darin aus. Diese Krankheiten schaden nicht nur dem Einzelnen, sondern wirken sich auch zerstörerisch auf die Gesellschaft aus. Unser Prophet (s) hat uns dies vor Augen geführt, indem er sagte: „Wahrlich, im Körper gibt es ein Stück Fleisch: Ist es gesund, so ist der ganze Körper gesund, und ist es verdorben, so ist der ganze Körper verdorben. Dies ist das Herz.“[2] Liebe Geschwister! Der erste Schritt der Herzensbildung besteht darin, dass wir uns selbst zur Rechenschaft ziehen und unsere Ibâdas nur für Allah verrichten. Geistige Reinheit wird möglich, indem man sich von Sünden fernhält und die Reue zu einem festen Bestandteil des eigenen Lebens macht. Sünden verdunkeln das Herz, Gottesdienste und Reue erhellen es. Einer der wirksamsten Wege zur Reinigung des Herzens ist es, eine lebendige Verbindung zum Koran aufzubauen. Gebet, Zikr und Duâ halten das Herz lebendig und reinigen es. Ebenso gehört es zu einer reifen Herzensbildung, Menschen zu verzeihen, Hass aus dem Herzen zu lösen und zu lernen, anderen Gutes zu wünschen. Ein gütiges Herz ist der Güte Allahs näher. Der Gesandte Allahs (s) sagte: „Seid gütig, damit euch Güte erwiesen wird. Verzeiht, damit Allah euch verzeiht.“[3] Wir sollten nicht vergessen, dass ein reines Herz die Grundlage für ein friedvolles Leben, einen starken Iman und einen schönen Charakter ist. Wer sein Herz mit Glauben, Takwâ und edlem Charakter erzieht, findet in dieser Welt inneren Frieden und im Jenseits die ewige Erlösung. Bemühen wir uns deshalb darum, unserem Herrn mit einem reinen Herzen zu begegnen. Möge Allah uns zu Dienern machen, deren Herzen rein und deren Absichten aufrichtig sind. Âmîn. [1] Muslim, Birr, 34 [2] Buhârî, Iman, 39 [3] Ahmad b. Hanbel, Musnad, II. 219 Hutba – Deutsch Hutba – Türkisch Hutba – Arabisch Hutba – Englisch Hutba – Niederländisch Hutba – Französisch Hutba – Schwedisch Hutba – Dänisch

Herzensbildung und geistige Reinheit Weiterlesen »

Ramadanbewusstsein und Absicht

Verehrte Muslime! Bald beginnt wieder der gesegnete Ramadan. Am kommenden Donnerstag werden wir inschallah fasten. Allah hat uns diesen Monat als Barmherzigkeit, Vergebung und Segen geschenkt. Im Koran heißt es: „O ihr, die ihr glaubt! Euch ist das Fasten vorgeschrieben, wie es den Menschen vor euch vorgeschrieben war; vielleicht werdet ihr gottesfürchtig.“[1] Zu fasten bedeutet nicht nur, auf Essen und Trinken zu verzichten. Es bedeutet, unsere Herzen zu reinigen, unseren Willen zu stärken und unser Bewusstsein als Diener Allahs neu aufzubauen. Dieser gesegnete Monat lehrt uns, wie wichtig die Absicht ist und wie eine bewusste Dienerschaft aussieht. Unser geliebter Prophet (s) sagte: „Die Taten entsprechen den Absichten.“[2] Damit erinnert er uns daran, dass der innere Beweggrund entscheidend ist. Allah bewertet eine Handlung nicht nur nach dem, was man von außen sieht, sondern nach dem Ziel im Herzen. Wenn ein Mensch mit seinen Ibâdas Allahs Wohlgefallen sucht, erhält er Lohn. Wenn dieselbe Tat jedoch aus Angeberei oder Eigeninteresse geschieht, verliert sie ihren Wert. So ist es auch mit dem Fasten im Ramadan. Wir fasten nicht aus Gewohnheit oder Tradition, sondern aus Hingabe zu Allah. Liebe Geschwister! Ramadan ist eine große Gelegenheit für jeden Gläubigen, der an Allah, seinen Gesandten und den Jüngsten Tag glaubt, um sein Bewusstsein zu erneuern. Es geht darum, den Wert der Zeit zu erkennen und die Tage nicht achtlos, sondern aufmerksam zu leben. Wenn wir unsere Zunge vor Lügen und Lästern schützen, unser Herz vor Hass bewahren und unsere Augen vor dem Verbotenen senken, dann haben wir den Sinn des Ramadan verstanden. Wenn uns das Fasten jedoch nicht von schlechten Worten und Taten abhält, bleibt am Ende nur Hunger und Müdigkeit. Unser Prophet (s) warnte davor mit den Worten: „Mancher Fastende hat von seinem Fasten nichts außer trockenem Hunger, und mancher, der nachts betet, hat von seinem Gebet nichts außer Schlaflosigkeit.“[3] Ramadan ist auch ein Monat der Erziehung. Wenn wir hungrig sind, lernen wir den Wert der Gaben zu schätzen und verstehen die Lage der Bedürftigen besser. An den Iftar-Tischen lernen wir zu teilen, und durch Zakat und Sadaka stärken wir unsere Geschwisterlichkeit. Die Absicht ist nicht nur zu Beginn des Fastens wichtig, sondern in allen Bereichen unseres Lebens. In unserer Arbeit, in unserer Familie und in unseren Ibâdas. Wenn wir unsere Absicht immer auf Allahs Wohlgefallen richten, können selbst alltägliche Tätigkeiten zum Gottesdienst werden. Möge unser Schöpfer uns zu denen zählen, die den Geist des Ramadan verstehen, ihre Absicht aufrichtig fassen und dieses Bewusstsein in ihr Leben tragen. Möge unser Ramadan gesegnet und unser Fasten angenommen sein. Âmîn. [1] Sure Bakara, 2:183 [2] Muslim, Imâra, 155 [3] Ibn Mâdscha, Siyâm, 21 Hutba – Deutsch Hutba – Türkisch Hutba – Arabisch Hutba – Englisch Hutba – Niederländisch Hutba – Französisch Hutba – Schwedisch Hutba – Dänisch

Ramadanbewusstsein und Absicht Weiterlesen »

Besorgnis über globalen Verfall von Menschenrechten

„Das Menschenrechtssystem wankt. Viele Länder in der EU tragen dazu bei: innen- und außenpolitisch“, kommentiert Ali Mete, Generalsekretär der Islamischen Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG), den Jahresbericht 2026 der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch. Ali Mete weiter: „Wir sind längst über den Punkt der reinen Bestandsaufnahme hinaus: Die Erosion der Menschenrechte ist dokumentiert – und sie betrifft nicht mehr nur einzelne Verstöße, sondern die offene Infragestellung des gesamten Menschenrechtssystems, einer der wichtigsten Errungenschaften der Menschheit. Das System wird zerrieben – zwischen Machtpolitik, autoritären Regimen und einer Rhetorik, die Recht zur Verhandlungsmasse macht. Krisen und Herausforderungen unserer Zeit dienen dabei allzu oft als Ausrede. Doch Menschenrechte sind gerade in geopolitisch unruhigen Zeiten der Kompass. Wer ihn verbiegt, verliert Orientierung – und am Ende Vertrauen. Und Vertrauen ist der Kitt, den pluralistische Gesellschaften für ihren Zusammenhalt brauchen. Human Rights Watch benennt in seinem Bericht zu Recht die Verantwortung der EU-Staaten, insbesondere Deutschland – innen- wie außenpolitisch. Innenpolitisch ist es brandgefährlich, wenn demokratische Parteien rechtspopulistische Sprache übernehmen und damit ganze Gruppen pauschal als Problem markieren. Wer so spricht, sägt an der Gleichwertigkeit, die unser Verständnis von Menschenwürde trägt – besonders in der Debatte über Asylsuchende, Geflüchtete und Menschen mit Migrationserfahrung. Außenpolitisch verspielt Deutschland moralischen Kredit durch eine fast bedingungslose Unterstützung der israelischen Regierung trotz der systematischen Angriffe auf palästinensische Zivilbevölkerung im Gazastreifen. Der Vorwurf, Deutschland messe bei Menschenrechten mit zweierlei Maß, ist mehr als ein Imageschaden: Er schwächt den Einfluss dort, wo Schutz und Recht eingefordert werden müssten. Menschenrechte müssen überall gelten – oder sie gelten irgendwann nirgendwo mehr. Für die Islamische Gemeinschaft ist das keine Option.“

Besorgnis über globalen Verfall von Menschenrechten Weiterlesen »

Die Kraft der Tawba

Verehrte Muslime! Als Menschen machen wir Fehler und verfallen auf unserem Lebensweg manchmal dem Schlechten. Was können wir als Muslime dann tun? Wir vertrauen auf die Barmherzigkeit Allahs und wenden uns ihm zu. Im Koran sagt er: „O ihr, die ihr glaubt! Kehrt euch Allah zu, in aufrichtiger Reue.“[1] Dieser Koranvers macht deutlich, dass die Tawba aufrichtig und bewusst sein soll. Das nennen wir „Nasûh Tawba“. Das erste Zeichen einer solchen aufrichtigen Tawba ist, dass man seinen Fehler erkennt und Reue im Herzen empfindet. Diesen Zustand beschreibt Allah im Koran: „Sie denken an Allah und bitten für ihre Sünden um Verzeihung, wenn sie etwas Schlechtes getan oder gegen sich gesündigt haben; und wer vergibt die Sünden, wenn nicht Allah? Und sie beharren nicht auf dem Bösen, das sie wissentlich taten.“[2] Zudem muss die Tawba mehr sein als bloße Worte. Wir müssen die begangene Sünde unterlassen und den festen Entschluss fassen, sie nicht wieder zu begehen. Wenn die Sünde die Rechte eines Menschen betrifft, dann muss alles Notwendige getan werden, um die Schuld wieder gutzumachen. Liebe Geschwister! Eine aufrichtige Tawba macht das Herz weich, hält das Gewissen wach und gibt dem Leben eine neue Richtung. Die verwandelnde Kraft der Tawba liegt darin, dass sie den Menschen aus der Hoffnungslosigkeit herausholt. Wie groß eine Sünde auch sein mag, keine ist größer als die Barmherzigkeit Allahs. Der Gesandte Allahs (s) sagte: „Solange der Diener nicht im Todeskampf liegt, nimmt Allah Teâlâ seine Tawba an.“[3] Wer Tawba macht, legt die Last der Vergangenheit ab und blickt mit Hoffnung nach vorne. Obwohl unser Prophet sündenlos war, machte er am Tag mehr als siebzig Mal Tawba. Damit lehrt er uns, dass Tawba eine ständige Reinigung und Erneuerung im Leben ist. Tawba zeigt sich nicht nur in Worten, sondern auch im Verhalten. Lasst uns deshalb aus unseren Fehlern lernen und Schritte gehen, um gute Diener und gute Menschen zu sein. Vergessen wir nicht, dass die Tore von Allahs Barmherzigkeit weit offenstehen. Möge Allah uns unsere aufrichtige Tawba annehmen, möge er uns ermöglichen, uns durch die Tawba zu reinigen und unser Leben zu verschönern. Möge Allah unsere Herzen mit Iman und unseren Charakter mit Schönheit schmücken. Âmîn. Verehrte Muslime! Heute ist der 6. Februar 2026. Seit der Erdbebenkatastrophe in Kahramanmaraş sind genau drei Jahre vergangen. In elf Provinzen gab es große Zerstörung. 53.537 Menschen haben wir zu Grabe getragen. 107.213 Geschwister wurden verletzt. Wir bitten Allah um Barmherzigkeit für unsere verstorbenen Geschwister. Mögen ihre Seelen in Frieden ruhen. Den Hinterbliebenen wünschen wir Geduld. Damit wir eine solche Katastrophe nicht noch einmal erleben, rufen wir die Verantwortlichen und jeden Einzelnen von uns zu verantwortungsbewusstem Handeln auf. Möge Allah die Menschheit vor solchen Prüfungen bewahren. Âmîn. [1] Sure Tahrîm, 66:8 [2] Sure Alî Imrân, 3:135 [3] Ibn Mâdscha, Zuhd, 30 Hutba – Deutsch Hutba – Türkisch Hutba – Arabisch Hutba – Englisch Hutba – Niederländisch Hutba – Französisch Hutba – Schwedisch Hutba – Dänisch

Die Kraft der Tawba Weiterlesen »

Armut mit Gerechtigkeit bekämpfen

„Deutschland ist reich. Für mehr als 13 Millionen seiner Bürgerinnen und Bürger gilt das Gegenteil: sie sind arm. Das ist das Ergebnis ungerechter Verteilung – und treibt Menschen in die Hände von Extremisten. Dennoch sucht die Politik die Lösung für dieses Problem bei den Falschen“, erklärt Ali Mete, Generalsekretär der Islamischen Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG). Anlass sind aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamts, wonach die Armutsgefährdung in Deutschland weiter steigt – so wie in vielen anderen Ländern Europas. Ali Mete weiter: „Armut beginnt nicht erst dort, wo das Essen fehlt: Sie beginnt dort, wo Teilhabe schwindet – wenn für eine gleichberechtigte Teilhabe das Geld nicht reicht. Davon sind im reichen Deutschland mehr als 13 Millionen Menschen betroffen, wie das Statistische Bundesamt mitteilt. Wenn in einem reichen Land jeder Sechste als armutsgefährdet gilt, dann ist das nicht nur eine Statistik, sondern eine Frage der Würde und der Gerechtigkeit. Die Zahlen zeigen auch, dass Armut bestimmte Gruppen besonders oft trifft, was auf ein systematisches Versagen deutet: Menschen in Alleinerziehenden-Haushalten, Rentnerinnen und Rentner – und Menschen mit Migrationsgeschichte, wie Studien bereits mehrfach nachgewiesen haben. Am wenigsten haben Menschen, die Schutz und Zuflucht bei uns suchen. Umso gefährlicher ist es, wenn in öffentlichen Debatten immer wieder die Kosten von Schutzsuchenden ins Schaufenster gestellt werden – als wären sie der Grund für die soziale Not, die Sündenböcke. Solche Rechenübungen erzeugen Neid, lenken vom Kern ab und spalten unsere Gesellschaft. Europaweit – und insbesondere in Deutschland liegt das Hauptproblem woanders: Der Sozialstaat verteilt ungleich. Wenn Reiche immer reicher werden und gleichzeitig Armut wächst, kippt das Gefühl von Fairness. Und wo Fairness fehlt, wächst die Anfälligkeit für einfache Parolen – bis hin zu Extremismus. Die Politik ist gut beraten, wenn sie ihren Fokus in diese Richtung lenkt, um den zunehmenden Rechtsruck aufzuhalten. Im Islam gilt der Grundsatz: „Wer satt zu Bett geht, während sein Nachbar hungert, gehört nicht zu uns.“ Wohlstand ist Verantwortung – sowohl für den Einzelnen als auch für den Staat. Das ist kein romantischer Gedanke, sondern ein Stabilitätsanker. Deshalb erwarten wir, dass jede sozialpolitische Reform daran gemessen wird, ob sie Armut senkt – besonders Kinderarmut und die Schwächsten in unserer Gesellschaft. Ein Land, das Zukunft will, muss zuerst die Würde im Alltag sichern: bei Kindern, bei Alleinerziehenden, bei den Älteren – bei allen.“

Armut mit Gerechtigkeit bekämpfen Weiterlesen »