G.

Vorurteile und gesellschaftlicher Frieden

Verehrte Muslime! Der Islam verbindet Menschen. Er setzt auf Geschwisterlichkeit statt Feindschaft und auf Barmherzigkeit statt Hass. Frieden in einer Gesellschaft bedeutet mehr, als dass es keinen Krieg gibt. Echter Frieden herrscht dort, wo Menschen einander vertrauen, es gerecht zugeht, Unterschiede respektiert werden und sich jeder sicher fühlt. Gesetze schaffen dafür die Grundlage. Doch damit dieser Frieden bestehen bleibt, müssen wir auch gut miteinander umgehen.   Eines der größten Hindernisse dabei sind Vorurteile. Ein Vorurteil ist, wenn wir über einen Menschen urteilen, ohne ihn zu kennen. Ein Vorurteil ist, wenn wir jemanden nach seinem Namen, seiner Herkunft, seiner Sprache, seiner Glaubensrichtung, seinem Aussehen oder seinem Wohnort beurteilen. Allah aber schaut auf den Charakter und das Verhalten eines Menschen. Vorurteile sind wie ein Vorhang, der uns den Blick auf die Wahrheit versperrt. Solange wir diesen Vorhang nicht zur Seite ziehen, können wir nicht gerecht miteinander umgehen.   Allah warnt uns davor, andere ohne Grund zu verdächtigen. Er sagt: „Ihr Menschen! Wir haben euch aus einem Mann und einer Frau erschaffen und euch zu Völkern und Stämmen gemacht, damit ihr einander kennenlernt.“[1] Unsere Unterschiede sind ein Geschenk und ein Zeichen von Allahs Macht. Die Erschaffung von Himmel und Erde gehört ebenso zu diesen Zeichen wie die Vielfalt unserer Sprachen und Hautfarben.   Liebe Geschwister! Noch nie war es so leicht, an Informationen zu kommen und miteinander zu kommunizieren. Und doch fällt es den Menschen heute oft besonders schwer, einander zu verstehen. In sozialen Medien, Zeitungen und im Fernsehen werden falsche Behauptungen, vorschnelle Urteile und Worte verbreitet, die Menschen gegeneinander aufbringen. Das schwächt unser Vertrauen ineinander. Wenn wir jemanden verurteilen, ohne ihm zuzuhören, eine ganze Gruppe für die Fehler einzelner Menschen verantwortlich machen oder Andersdenkende ausschließen, gefährden wir den Frieden in unserer Gesellschaft.   Allahs Gesandter (s) sagte: „Hütet euch vor Verdächtigungen, denn sie gehören zu den verlogensten Aussagen. Forscht nicht nach den Geheimnissen anderer und sucht nicht nach ihren Fehlern. Beneidet einander nicht, hegt keinen Hass gegeneinander und wendet euch nicht voneinander ab. Ihr Diener Allahs, seid Geschwister!“[2] Unser Iman wird nicht allein durch Gebete und andere Ibadas vollständig. Dazu gehört auch, die Rechte anderer zu achten und ihre Würde zu schützen.   Ein friedliches Zusammenleben wächst durch kleine, ehrliche Schritte im Alltag, nicht durch große Worte. Jemanden grüßen, einen Streit beilegen, einem Menschen zuhören, und anderen wohlwollend begegnen: All das bildet die Grundlage für eine friedliche Gesellschaft. Bringen wir unseren Kindern Gerechtigkeit und Barmherzigkeit bei, statt Hass zu schüren und Menschen voneinander zu trennen. Bauen wir Vertrauen auf – zu unseren Nachbarn, unseren Arbeitskollegen und Menschen aus anderen Kulturen. Denn Allah segnet die Gesellschaft, in der Menschen einander vertrauen und keine Angst voreinander haben. Möge Allah uns zu Menschen machen, die mit Weisheit denken und handeln. Amin. [1] Sure Hudschurat, 49:13 [2] Buhari, Adab, 58   Hutba – Deutsch Hutba – Türkisch Hutba – Englisch Hutba – Arabisch Hutba – Niederländisch Hutba – Französisch Hutba – Schwedisch Hutba – Dänisch

Vorurteile und gesellschaftlicher Frieden Weiterlesen »

Islamische Gemeinschaft: NRW muss Religionsfreiheit vor politischem Missbrauch schützen

„NRW will Ministerien ermächtigen, per Verordnung Vorgaben zum Erscheinungsbild von Beamtinnen und Beamten zu erlassen – auch zu religiöser Kleidung. Die vorgesehenen Spielräume sind zu groß. Der Landtag muss klare gesetzliche Grenzen zum Schutz der Religionsfreiheit setzen“, erklären Aynur Handan Yazıcı, Vorsitzende der Frauenorganisation der Islamischen Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG), und Zehra Karataş, Vorsitzende der Frauen-Jugendorganisation der IGMG. Anlass ist die Sachverständigenberatung vom 8.10.26 zum Gesetzentwurf der NRW-Landesregierung „zur Modernisierung des öffentlichen Dienstes“. Handan Yazıcı und Zehra Karataş weiter: „Die Islamische Gemeinschaft fordert eine grundlegende Überarbeitung der geplanten Regelung zum Erscheinungsbild von Beamtinnen und Beamten in Nordrhein-Westfalen. Die vorgesehene Verordnungsermächtigung lässt Ministerien zu viel Gestaltungsspielraum für Eingriffe in die Religionsfreiheit. Wer heute weitreichende Befugnisse an Ministerien vergibt, muss bedenken, wer sie morgen ausüben könnte. Die jüngsten Wahlergebnisse und das Erstarken politischer Kräfte, die Musliminnen und Muslime ausgrenzen, verleihen dieser Frage besonderes Gewicht. Eine künftige politische Führung könnte versuchen, diese Ermächtigungsgrundlage zu nutzen, um kopftuchtragende Frauen aus dem öffentlichen Dienst zurückzudrängen. Der Schutz religiöser Minderheiten darf deshalb nicht vom politischen Willen der jeweils Verantwortlichen abhängen. Verantwortungsvolle Gesetzgebung muss solchen Entwicklungen mit klaren gesetzlichen Grenzen vorbeugen. Der Entwurf enthält kein allgemeines Kopftuchverbot. Künftige Verordnungen bleiben an die Grundrechte gebunden. Das entbindet den Landtag jedoch nicht von seiner Verantwortung, die Grenzen möglichst eindeutig zu ziehen, um möglichen Missbrauch vorzubeugen und zunächst Fakten zu schaffen. Betroffene sollten nicht erst vor Gericht klären müssen, was der Gesetzgeber schon heute präziser regeln kann. Unparteiische Amtsführung ist ein berechtigter Anspruch aller Menschen. Ihn teilen wir ausdrücklich. Ein Kopftuch allein belegt jedoch keine Befangenheit. Einschränkungen müssen sich an der konkreten dienstlichen Aufgabe und nachvollziehbaren Anforderungen orientieren. Vorurteile gegenüber einer Religion dürfen nicht zum Maßstab dafür werden, wer dem Staat dienen darf. Wenn im Gesetzesvorhaben erklärt wird, Auswirkungen auf die Gleichstellung von Frauen und Männern seien nicht zu erwarten, darf das bezweifelt werden. Welche möglichen beruflichen Nachteile für kopftuchtragende Frauen wurden untersucht? Wie wurden ihre Erfahrungen berücksichtigt? Wir fordern eine nachvollziehbare Prüfung und die Beteiligung betroffener Frauen. Aus islamischer Überzeugung verstehen wir öffentliche Verantwortung als anvertraute Aufgabe, die gerecht und gewissenhaft wahrzunehmen ist. Dazu gehört, Menschen gleich zu behandeln. Für diesen Anspruch stehen wir ein – ebenso wie für eine Religionsfreiheit, die allen zugutekommt.“

Islamische Gemeinschaft: NRW muss Religionsfreiheit vor politischem Missbrauch schützen Weiterlesen »

Muslime in Europa beraten über gemeinsame Herausforderungen

Muslimische Vertreter aus Deutschland, Frankreich, Österreich, den Niederlanden, Belgien, der Schweiz, Dänemark, Norwegen, Italien und Großbritannien haben sich vom 9. bis 11. Oktober in der bosnischen Hauptstadt Sarajevo zur „Konferenz muslimischer Gemeinschaften in Europa“ getroffen. Ziel der Zusammenkunft war es, Erfahrungen auszutauschen, gemeinsame Herausforderungen zu erörtern und Möglichkeiten für eine langfristige Zusammenarbeit auszuloten. Bei der dreitägigen Konferenz tauschten sich die Teilnehmer über gesellschaftliche und politische Entwicklungen in Europa, die Teilhabe von Muslimen am öffentlichen Leben sowie die Beziehungen muslimischer Vertretungsorganisationen zu staatlichen und anderen Institutionen aus. Darüber hinaus diskutierten die Teilnehmer über die institutionelle und strukturelle Weiterentwicklung ihrer Organisationen. In mehreren Gesprächsrunden wurden Erfahrungen aus den jeweiligen Ländern vorgestellt und gemeinsame Probleme, bestehende Handlungsmöglichkeiten sowie künftige Kooperationsfelder erörtert. „Wir sind keine Gäste in Europa“ Der Generalsekretär der Islamischen Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG), Ali Mete, betonte in seinem Beitrag die dauerhafte gesellschaftliche Verankerung der Muslime in Europa. „Wir sind keine Gäste in den europäischen Gesellschaften. Wir sind ein untrennbarer und dauerhafter Teil der Gesellschaften, in denen wir leben“, erklärte Mete.                 Die Konferenz solle laut dem IGMG-Generalsekretär den Austausch zwischen muslimischen Vertretungsorganisationen intensivieren und ihre Kommunikation untereinander stärken. Zugleich betonte Mete, dass die Vielfalt der muslimischen Gemeinschaften mit ihren kulturellen und historischen Unterschieden kein Hindernis für die Zusammenarbeit sei, sondern eine Bereicherung. „Erfahrungen, die in einem Land gesammelt werden, dürfen nicht an nationalen Grenzen haltmachen. Auch wenn wir uns nicht in allen Fragen einig sind, müssen wir unseren Austausch und unsere Kooperationen stärken“, so Mete abschließend. Auch der Vorsitzende der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (DITIB), Ramazan Ilıkkan, hob die Bedeutung solcher Konferenzen hervor. Es sei wichtig, dass Muslime in Europa zusammenkämen, um gemeinsame Themen, Probleme und mögliche Lösungen zu erörtern. Zwischen Verantwortung und neuen Herausforderungen Der ehemalige Großmufti Bosnien und Herzegowinas, Dr. Mustafa Cerić, referierte über „Islamische Dachorganisationen in Europa – Aufgaben, Chancen und Herausforderungen“. Er ging auf die Entwicklungen ein, mit denen Muslime und ihre Vertretungsorganisationen in Europa konfrontiert seien, und unterstrich die Bedeutung des Erfahrungsaustauschs und einer konstruktiven Kommunikation.                 Starke Institutionen müssten religiöse Verbundenheit in gesellschaftliches Vertrauen, die demografische Präsenz der Muslime in einen Beitrag zum Gemeinwesen und die eigene Vielfalt in eine prinzipiengeleitete Zusammenarbeit überführen, erklärte Cerić. Zugleich betonte er, dass Muslime in Europa nicht ausschließlich auf gesellschaftliche und politische Entwicklungen reagieren sollten. Vielmehr müssten sie ihre eigene Position verstehen, selbst definieren und aktiv gestalten. Islamfeindlichkeit und gesellschaftliche Entwicklungen Die erste Sitzung der Konferenz widmete sich den gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen in den europäischen Ländern. Eyüp Şahin, stellvertretender Vorsitzender des französischen Islamrats (CFCM), thematisierte die Herausforderungen der muslimischen Gemeinschaft in Frankreich. Er verwies auf die zunehmende Islamfeindlichkeit und die anhaltenden Debatten über Religionsfreiheit. Insbesondere die Auswirkungen des französischen Laizismus auf den Alltag von Muslimen standen im Mittelpunkt seines Beitrags. Şahin betonte die Bedeutung des gesellschaftlichen Friedens und des gegenseitigen Respekts. Darüber hinaus sprach er sich für eine stärkere Zusammenarbeit und Solidarität zwischen muslimischen Organisationen in Europa aus. Moustapha Al-Dabbagh, Vertreter des britischen Muslim Council of Britain (MCB), stellte die Arbeit des Verbandes vor. Dabei ging er insbesondere auf die Beobachtung der Medienberichterstattung ein. Diskriminierung und Rassismus gegenüber Muslimen nähmen in Großbritannien zu, erklärte er. Der Vorsitzende der Union der islamischen Gemeinschaften und Organisationen in Italien (UCOII), Yassine Baradai, präsentierte ein vom Verband entwickeltes Arbeitsmodell, das kontinuierliche Beobachtung, schnelle Reaktionen und die systematische Aufbereitung von Informationen miteinander verbindet. Dabei komme auch künstliche Intelligenz zum Einsatz. Gesellschaftliche und politische Teilhabe von Muslimen In der zweiten Sitzung ging es die Teilhabe von Muslimen am gesellschaftlichen, politischen und öffentlichen Leben, wobei sowohl bestehende Möglichkeiten als auch strukturelle Hindernisse diskutiert wurden. Laurent Ibra, Vertreter des Koordinationsrats der Muslime (KRM) aus Deutschland, hob die Vielfalt muslimischen Lebens und die Rolle des Islams in der deutschen Gesellschaft hervor. Er verwies auf die Beiträge von Muslimen zum gesellschaftlichen Zusammenhalt und zum zivilgesellschaftlichen Engagement.                 Zu den zentralen Herausforderungen zählte Ibra antimuslimischen Rassismus, die gleichberechtigte gesellschaftliche Teilhabe und die institutionelle Anerkennung muslimischer Religionsgemeinschaften. Zugleich betonte er die Bedeutung des innerislamischen Dialogs, der interreligiösen Zusammenarbeit und der gemeinsamen Verantwortung für die Zukunft Deutschlands. Mohammed Hasham Hussein, Vertreter des niederländischen Netzwerks K9, verwies auf den gesellschaftlichen Druck, unter dem muslimische Gemeinschaften in den Niederlanden stünden. „Muslime sind ein untrennbarer Teil der niederländischen Gesellschaft. Unsere Stellung steht jedoch unter Druck. Grundrechte müssen geschützt werden. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit“, erklärte er. Um Diskriminierung entgegenzuwirken, seien organisierte Strukturen und eine stärkere Zusammenarbeit erforderlich. Teilhabe als Weg zur Anerkennung Imran Hussain, Vertreter der Dänischen Muslimischen Union (DMU), betonte, dass Muslime sich als Teil der dänischen Gesellschaft verstünden. „Wir sind Europäer, und Dänemark ist unsere Heimat“, sagte er. Dabei dürfe gesellschaftliche Teilhabe nicht als Belohnung für bereits erfolgte Anerkennung verstanden werden, sondern sei vielmehr ein Weg zu dieser Anerkennung. Frühere Generationen hätten die Grundlagen für die Beteiligung von Muslimen am gesellschaftlichen Leben geschaffen. Nun liege es an der jüngeren Generation, darauf aufzubauen und auch an den Orten präsent zu sein, an denen politische und gesellschaftliche Entscheidungen getroffen würden. In Dänemark setze die muslimische Gemeinschaft dabei auf Dialog und Zusammenarbeit mit bestehenden Institutionen und gesellschaftlichen Gruppen. Die Konferenz in Sarajevo biete zudem die Möglichkeit, von den Erfahrungen anderer Organisationen in Europa zu lernen und den eigenen Beitrag für die jeweiligen Gesellschaften zu stärken. Staatliche Anerkennung und institutionelle Gleichstellung Der dritte Part widmete sich den Beziehungen muslimischer Vertretungsorganisationen zu staatlichen Institutionen. Im Mittelpunkt standen unterschiedliche Modelle der rechtlichen Anerkennung, Fragen institutioneller Eigenständigkeit und die Voraussetzungen für eine gleichberechtigte Partnerschaft zwischen Staat und Religionsgemeinschaften. Edina Husović, Vertreterin der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ), verwies auf die historische Anerkennung des Islams in Österreich. Seit 1912 habe sich ein Modell entwickelt, das international als Beispiel für die rechtliche Stellung muslimischer Gemeinschaften gelte. Es eröffne Möglichkeiten in den Bereichen Bildung, religiöse Begleitung und Kommunikation zwischen Religionsgemeinschaften.               Die IGGÖ strebe an, dieses Modell auf Grundlage der Verfassung und des Gleichbehandlungsprinzips gegenüber allen anerkannten Religionsgemeinschaften als gleichberechtigte

Muslime in Europa beraten über gemeinsame Herausforderungen Weiterlesen »

Rechte und Pflichten in sozialen Medien

Verehrte Muslime! Der Islam lehrt uns nicht nur, wie wir unsere Gebete und anderen Ibadas verrichten sollen. Er lehrt uns vor allem auch, schön zu handeln, schön zu sprechen, unser Herz reinzuhalten. Als Gläubige leben wir mit dem Bewusstsein, dass Allah stets an unserer Seite ist – in der Moschee, zu Hause, bei der Arbeit und auch am Handy und in den sozialen Medien. Heutzutage sprechen wir nicht nur mit unserer Zunge. Wir sprechen auch durch das, was wir tippen. Ein Satz, ein Kommentar oder ein Bild kann innerhalb weniger Sekunden Tausende Menschen erreichen. Deshalb ist es nötig über unsere Verantwortung im Internet zu sprechen, die Rechte anderer zu respektieren und unseren Iman zu bewahren.   Im Koran heißt es: „O ihr Gläubigen! Wenn euch ein Mensch, der sich nicht an Allahs Gebote hält, eine Nachricht überbringt, dann prüft, ob sie wahr ist. Sonst fügt ihr Menschen aus Unwissenheit Schaden zu und bereut später, was ihr getan habt.“[1] Und Allah sagt: „O ihr Gläubigen! Hütet euch vor vielen Vermutungen, denn manche Vermutungen sind Sünde. Spioniert einander nicht aus und redet nicht schlecht übereinander. Würde etwa einer von euch gerne das Fleisch seines toten Bruders essen?“[2] Diese Gebote des Korans gelten natürlich auch für unseren Umgang im Internet. Jeder Beitrag, den wir ungeprüft teilen, kann die Würde eines Menschen verletzen. Das Privatleben anderer öffentlich zu machen, sie zu beleidigen oder ihre Fehler zu verbreiten, ist kein harmloser Beitrag in den sozialen Medien. Damit verletzen wir die Rechte anderer auf schwerwiegende Weise.   Liebe Geschwister! Ein Kommentar ist in kurzer Zeit geschrieben. Doch durch solche Kommentare werden Menschen öffentlich verunglimpft. Der Islam erlaubt uns nicht, die Ehre und Würde eines Menschen zu verletzen. Ein Like oder ein geteilter Beitrag können dazu führen, dass wir eine Lüge über jemanden verbreiten. Vielleicht vergessen wir es manchmal, aber: Auch die Worte, die wir hinter einem Bildschirm versteckt schreiben, werden bei Allah festgehalten.   Der Gesandte Allahs (s) sagte: „Es genügt einem Menschen als Sünde, alles weiterzuerzählen, was er hört.“[3] Unsere Sprache ist uns anvertraut. Genauso tragen wir Verantwortung für das, was wir mit einem Stift oder einer Tastatur schreiben. Jedes Wort, das wir schreiben, kann zu einer guten Tat werden, für die wir immer weiter belohnt werden. Es kann aber auch Schuld auf uns laden, die weiterwirkt. Bevor wir etwas teilen, sollten wir uns fragen: Stimmt diese Information? Könnten diese Worte jemanden verletzen? Ist Allah damit zufrieden? Wenn die Information nicht stimmt, unsere Worte jemanden verletzen oder Allah damit nicht zufrieden ist, sollten wir schweigen   Bringen wir unseren Kindern deshalb nicht nur bei, wie man mit Technik umgeht. Zeigen wir ihnen auch, wie sie dabei anständig und verantwortungsvoll handeln. Machen wir die sozialen Medien zu einem Ort, an dem Wahrheit, Weisheit, Wissen und gute Worte verbreitet werden – statt übler Nachrede, Wut und Hass. Möge Allah uns helfen, die Ehre und Würde anderer im Leben und im Internet zu beschützen und durch [1] Sure Hudschurat, 49:6 [2] Sure Hudschurat, 49:12 [3] Abu Dawud, Adab, 80   Hutba – Deutsch Hutba – Türkisch Hutba – Englisch Hutba – Arabisch Hutba – Niederländisch Hutba – Französisch Hutba – Schwedisch Hutba – Dänisch

Rechte und Pflichten in sozialen Medien Weiterlesen »

Tag der offenen Moschee: Offene Türen für Begegnung und Zusammenhalt

Die Islamische Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG) beteiligte sich in diesem Jahr mit mehr als 200 Moscheen am bundesweiten Tag der offenen Moschee, der zum 30. Mal stattfand. Mehr als 700 Moscheen in Deutschland haben am Samstag ihre Türen für Besucher geöffnet. Beim 30. bundesweiten Tag der offenen Moschee (TOM) luden muslimische Gemeinden unter dem Motto „Moscheen als Träger gesellschaftlicher Verfasstheit“ zu Führungen, Gesprächen und Diskussionsveranstaltungen ein. Anlässlich des Tages der offenen Moschee erklärte IGMG-Generalsekretär Ali Mete: „Der Tag der offenen Moschee ist eine wichtige Gelegenheit, Menschen zusammenzubringen sowie gegenseitiges Verständnis und den gesellschaftlichen Dialog zu stärken. Dass in diesem Jahr mehr als 200 unserer Moscheen in Deutschland ihre Türen für Besucherinnen und Besucher geöffnet haben, zeigt die Lebendigkeit unserer Moscheegemeinden und ihr Verantwortungsbewusstsein für die Gesellschaft.“ Mete sagte: „Moscheen sind nicht nur Orte des Gebets. Unsere Moscheen sind zugleich Orte, an denen Menschen zusammenkommen, nachbarschaftliche Beziehungen gepflegt, ehrenamtliches Engagement gelebt und gesellschaftlicher Zusammenhalt gestärkt werden. Im Rahmen des diesjährigen Tages der offenen Moschee haben unsere Moscheen ihre Türen für Menschen aus allen Teilen der Gesellschaft geöffnet. In unseren Moscheen kamen Menschen unterschiedlicher Glaubensrichtungen und gesellschaftlicher Hintergründe zusammen, um miteinander ins Gespräch zu kommen und sich auszutauschen. Die Besucherinnen und Besucher hatten die Möglichkeit, unsere Moscheen kennenzulernen, sich über den Islam und den Alltag von Musliminnen und Muslimen zu informieren und unmittelbar mit den Gemeindemitgliedern ins Gespräch zu kommen. Jede dieser Begegnungen leistet einen Beitrag dazu, gegenseitiges Verständnis zu fördern und den gesellschaftlichen Dialog weiterzuentwickeln. Der 3. Oktober ist ein besonderer Tag, der für die Einheit und den Zusammenhalt unseres Landes steht. Wir sind überzeugt, dass der Tag der offenen Moschee in besonderer Weise mit dieser Bedeutung verbunden ist. Einheit und Zusammenhalt wachsen dort, wo Menschen unmittelbar miteinander in Kontakt treten. Gerade in Zeiten, in denen gesellschaftliche Unterschiede stärker sichtbar werden, müssen wir mehr miteinander sprechen, statt übereinander zu reden. Der Tag der offenen Moschee bietet hierfür eine wichtige Gelegenheit.“ Moscheen als Träger gesellschaftlicher Verfasstheit Auch das diesjährige Motto „Moscheen als Träger der gesellschaftlichen Verfasstheit“ unterstreicht die Bedeutung der Moscheen innerhalb der Gesellschaft. Unsere Moscheen übernehmen neben ihrer Rolle für das religiöse Leben auch wichtige Aufgaben in den Bereichen gesellschaftliche Verantwortung, ehrenamtliches Engagement, Nachbarschaft und gesellschaftlicher Zusammenhalt. Durch unsere Arbeit und unsere Kooperationen mit unterschiedlichen gesellschaftlichen Akteuren vor Ort leisten wir weiterhin einen Beitrag zur Förderung des Dialogs zwischen den verschiedenen Teilen der Gesellschaft. Mete ergänzte: „Wir wünschen uns, dass der Tag der offenen Moschee nicht auf einen einzigen Tag im Jahr beschränkt bleibt. Unsere Moscheen werden sich auch darüber hinaus das ganze Jahr über für den gesellschaftlichen Austausch und das Miteinander engagieren. Wir hoffen, dass die Begegnungen, die am 3. Oktober stattgefunden haben, zu dauerhaften Freundschaften, stärkerer Zusammenarbeit und mehr gegenseitigem Verständnis beitragen. Wir sind überzeugt, dass eine Gesellschaft, in der Menschen einander kennenlernen, zuhören und aufeinander zugehen, von großer Bedeutung für unsere gemeinsame Zukunft ist.“ Mete betonte die Bedeutung des Tages der offenen Moschee angesichts der aktuellen gesellschaftlichen Bedingungen: „In einem Umfeld, in dem der Rechtsextremismus im öffentlichen Raum zunehmend Raum gewinnt, Krieg und Gewalt eskalieren und Politik über Muslime gemacht wird, ist es von großer Bedeutung, dass die Moscheen, die ohnehin das ganze Jahr über offen sind, an diesem besonderen Tag erneut ihre Türen für Besucherinnen und Besucher öffnen.“ Mete erklärte, dass die am Tag der offenen Moschee geknüpften Beziehungen teilweise auch in gemeinsame Aktivitäten auf lokaler Ebene münden. Diese Kontakte könnten dazu beitragen, die Kultur des Zusammenlebens in den Städten zu stärken. Zugleich dankte er allen Moscheevorständen, Ehrenamtlichen und Gemeindemitgliedern, die an der Vorbereitung und Durchführung des Tages der offenen Moschee mitgewirkt haben, sowie allen Gästen, die die Moscheen besucht haben. 30 Jahre Tag der offenen Moschee Der Tag der offenen Moschee findet seit 1997 jährlich am 3. Oktober statt. Die Veranstaltung wird seit 2007 unter dem Dach des Koordinationsrats der Muslime (KRM) koordiniert. Ziel des Tages der offenen Moschee ist es, den Austausch zu fördern, religiöses Leben sichtbar zu machen und den gesellschaftlichen Dialog zu stärken.

Tag der offenen Moschee: Offene Türen für Begegnung und Zusammenhalt Weiterlesen »

Infak – barmherzig wirtschaften

Verehrte Muslime! Unser Glaube zeigt uns in allen Bereichen des Lebens den Weg. Auch darin, wie wir mit Geld und Besitz umgehen. Denn was wir haben, gehört letztlich Allah. Er hat es uns anvertraut. Infak bedeutet, mit Menschen zu teilen, die Hilfe brauchen, um Allahs Zufriedenheit zu erlangen. Deshalb werden im Koran das Gebet und das Teilen oft zusammen erwähnt. Wenn wir uns im Gebet niederwerfen, stärken wir unsere Verbindung zu Allah. Wenn wir teilen, stärken wir unsere Verbindung zu den Menschen. Allah sagt: „Ihr werdet das Gute niemals erreichen, solange ihr nicht von dem spendet, was ihr liebt.“[1] Das zeigt uns: Wirklichen Gewinn bei Allah erreichen wir durch das Teilen, nicht dadurch, dass wir immer mehr sammeln. Wir leben in einer Zeit, die uns ständig zum Kaufen und Konsumieren animiert. Oft wird der Wert eines Menschen daran gemessen, was er besitzt. Mehr verdienen, mehr haben und mehr ausgeben – das wird zum Ziel des Lebens gemacht. Doch der Islam lehrt uns einen Umgang mit Geld und Besitz, bei dem Mitgefühl statt Konkurrenz zählt und das Teilen wichtiger ist als der eigene Vorteil. Infak lindert die Not der Armen und reinigt zugleich die Herzen der Wohlhabenden. Aus Geiz wird Großzügigkeit, aus Gier wird Zufriedenheit und aus Einsamkeit wird Gemeinschaft. Denn wenn wir geben, geben wir nicht nur etwas von unserem Besitz ab. In unserem Herzen wächst dabei auch Barmherzigkeit. Der Gesandte Allahs (s) sagte: „Die gebende Hand ist besser als die nehmende. Beginne mit deiner Hilfe bei denen, für deren Lebensunterhalt du verantwortlich bist!“[2] Teilen bringt Segen in unseren Besitz und beginnen sollte unsere Hilfe bei der eigenen Familie. Von dort reicht sie weiter zu Verwandten und Nachbarn, zu Waisen, Schülern und Studierenden, zu Reisenden und zu allen Menschen, die Unterstützung brauchen. Liebe Geschwister! Infak bedeutet nicht nur, Geld zu geben. Auch Wissen zu teilen, uns Zeit für andere zu nehmen und einem jungen Menschen zur Seite zu stehen, gehört dazu. Ebenso gehört dazu, nach einem älteren Nachbarn zu sehen, einen Kranken zu besuchen oder jemanden zu trösten, dessen Herz verzweifelt ist. Wir sollten unseren Kindern deshalb nicht nur Besitz hinterlassen. Geben wir ihnen auch mit, wie wichtig es ist, zu teilen, dankbar zu sein und mit anderen mitzufühlen, wenn sie Kummer haben. Vergessen wir nicht: Allah möchte nicht, dass wir möglichst viel besitzen, sondern dass unsere Herzen genügsam sind. Jedes Mal, wenn wir geben, zeigen wir unser Vertrauen in Allah. Wer gibt, vertraut auf Allahs Versprechen. Wie jedes Jahr lädt uns unsere Gemeinschaft mit der Infak-Kampagne dazu ein, Gutes zu tun. Mit unseren Beiträgen können in unseren Regionen Dutzende Projekte Wirklichkeit werden. Moscheen, Gebäude für unsere Gemeindearbeit, Bildungszentren und Schulen werden gebaut und erneuert. Wenn wir dazu beitragen, können uns dafür auch nach unserem Tod weiter gute Taten gutgeschrieben werden. Teilen wir deshalb von dem, was uns zur Verfügung steht. Schließen wir uns den Menschen an, die Gutes tun, und helfen wir mit, dass sich Gutes und Schönes verbreitet. Möge Allah uns zu seinen Dienern zählen, die ihren Lebensunterhalt auf erlaubte Weise verdienen, das Teilen als Geschenk und nicht als Last sehen, die Würde der Bedürftigen beim Geben achten und die Barmherzigkeit in den Mittelpunkt ihres Lebens stellen. Amin.   [1] Sure Ali Imran, 3:92 [2] Buhari, Zakat, 18   Hutba – Deutsch Hutba – Türkisch Hutba – Englisch Hutba – Niederländisch Hutba – Französisch Hutba – Schwedisch Hutba – Dänisch  

Infak – barmherzig wirtschaften Weiterlesen »

Muslimische Religiosität stärkt Gemeinsinn

„Der Religionsmonitor 2026 enthält einen Befund, der in der öffentlichen Debatte über den Islam besondere Beachtung verdient: Muslimische Religiosität steht gesellschaftlichem Zusammenhalt nicht entgegen. Im Gegenteil. Bei muslimischen Befragten geht stärkere Religiosität mit ausgeprägteren sozialen Beziehungen und einer höheren Gemeinwohlorientierung einher. Das ist gerade deshalb bemerkenswert, weil Religiosität von Musliminnen und Muslimen in politischen Debatten noch immer häufig als Integrationsproblem oder als Zeichen gesellschaftlicher Abschottung behandelt wird. Gleichzeitig dürfen wir den niedrigeren Gesamtwert muslimischer Befragter im Religionsmonitor nicht übergehen. Besonders schwach fällt die Verbundenheit mit dem Gemeinwesen aus. Bei hochreligiösen Musliminnen und Muslimen sinkt dieser Wert besonders deutlich. Das ist ein Befund, den Politik und Gesellschaft ernst nehmen sollten. Denn hier zeigt sich weniger ein Mangel an Gemeinsinn als vielmehr eine schwächere Verbundenheit eines Teils der muslimischen Bevölkerung mit dem Gemeinwesen und seinen Institutionen. Die Studie nennt als mögliche Erklärung antimuslimische Zuschreibungen und Diskriminierung, institutionelle Ungleichbehandlung, begrenzte Anerkennung, mangelnde Repräsentation und häufig negativ geführte öffentliche Debatten über sichtbar gelebte muslimische Identität. Die Ergebnisse widersprechen einfachen Abschottungsthesen über religiöse Musliminnen und Muslime. Die Daten zeigen, dass stärkere muslimische Religiosität durchaus mit sozialen Beziehungen und Gemeinwohlorientierung verbunden ist. Zugleich nehmen wir ernst, dass auch eine starke Orientierung auf die eigene religiöse Gemeinschaft Brücken nach außen erschweren kann. Religionsgemeinschaften tragen deshalb selbst Verantwortung: Moscheegemeinden müssen offen sein, noch stärker den Dialog suchen und Räume schaffen, in denen Menschen unterschiedlicher Herkunft, Religion und Weltanschauung einander begegnen können – so wie den Tag der offenen Moschee am 3. Oktober. Aber Brücken können nicht nur von einer Seite gebaut werden. Auch Politik, Institutionen und Mehrheitsgesellschaft müssen bereit sein, muslimisches Leben als selbstverständlichen Bestandteil dieses Landes anzuerkennen. Der Religionsmonitor macht zugleich deutlich, welches gesellschaftliche Potenzial in religiösen Gemeinden liegt. Religiöse Gemeinden werden ausdrücklich neben Schulen, Sportvereinen, Jugendzentren, Bibliotheken, Nachbarschaftszentren und Wohlfahrtsverbänden als Orte genannt, an denen Begegnung und gesellschaftliches Engagement stattfinden können. Genau das erleben wir seit vielen Jahren in Moscheegemeinden: Menschen leisten ehrenamtliche Arbeit, unterstützen Bedürftige, engagieren sich in der Nachbarschaft, organisieren Bildungsangebote, Jugendarbeit, Dialog und soziale Hilfe. Diese Arbeit findet in der öffentlichen Wahrnehmung jedoch viel zu häufig weniger Beachtung als Debatten über Kopftücher, Integration oder Sicherheitsfragen. Moscheegemeinden sollten nicht vor allem als Problemfall betrachtet werden, sondern als Teil der zivilgesellschaftlichen Infrastruktur unseres Landes. Daraus folgt auch eine Aufgabe für Politik und Verwaltung. Die Autorinnen und Autoren des Religionsmonitors empfehlen ausdrücklich, religiöse Minderheiten und ihre Organisationen stärker entsprechend ihrer gesellschaftlichen Bedeutung in politische, administrative und zivilgesellschaftliche Strukturen einzubeziehen. Muslimische und andere Religionsgemeinschaften sollen dauerhaft an kommunalen Beratungs- und Gestaltungsprozessen beteiligt werden. Genau diese dauerhafte Beteiligung brauchen wir. Islamische Religionsgemeinschaften sollten nicht erst dann Gesprächspartner sein, wenn Konflikte entstehen, Anschläge geschehen oder Integrationsprobleme diskutiert werden. Gleichberechtigte Teilhabe bedeutet, muslimische Stimmen auch dort einzubeziehen, wo Zukunft gestaltet, Sozialpolitik entwickelt, Bildung organisiert und gesellschaftlicher Zusammenhalt gestaltet wird.“

Muslimische Religiosität stärkt Gemeinsinn Weiterlesen »

Der Wert des Lehrens und des Gelehrten

Verehrte Muslime! Es ist wichtig, die Wahrheit zu kennen und jemanden zu haben, der sie uns vermittelt. Unser Prophet Muhammad (s) ist derjenige, der uns alles gelehrt hat, was zum Glauben gehört. Eines Tages traf der Gesandte Allahs (s) in der Moschee auf zwei Gruppen. Die einen lasen im Koran und sprachen Duas. Die anderen lernten und gaben ihr Wissen weiter. Er sagte, dass beide Gruppen etwas Gutes tun. Über diejenigen, die gemeinsam lernten, sagte er: „Sie lernen und geben ihr Wissen weiter. Auch ich wurde als Lehrer gesandt.“[1] Dann setzte er sich zu ihnen. Damit zeigte er uns: Er wurde als Prophet und als Lehrer gesandt, um uns die Religion beizubringen. Heute sind es unsere Gelehrten und Imame, die das Wissen weitergeben, das die Propheten hinterlassen haben. Unser Prophet (s) sagte: „Die Gelehrten sind die Erben der Propheten. Die Propheten haben weder Gold noch Silber hinterlassen. Ihr Erbe ist das Wissen. Wer es annimmt, hat einen großen Anteil erhalten.“[2]   Gelehrte sind nicht einfach Menschen, die viel wissen. Mit ihrem Wissen helfen sie anderen, Zusammenhänge zu verstehen und richtig von falsch zu unterscheiden. Auch durch ihr eigenes Leben sind sie ein Vorbild. Ein Gelehrter gibt richtiges und verlässliches Wissen weiter. So schützt er die Gesellschaft vor falschen Vorstellungen, sucht Lösungen für Probleme und hilft dabei, dass kommende Generationen mit Wissen, Iman und guten Charakter aufwachsen.   Liebe Geschwister! Lasst uns den Islam aus verlässlichen Quellen lernen: bei Gelehrten und Imamen, die sich wirklich auskennen. Im Koran heißt es: „Wenn ihr etwas nicht wisst, fragt die Wissenden.[3]“ Heute kommen wir leichter, denn je an Informationen. Doch es ist schwieriger geworden, richtige Informationen von falschen zu unterscheiden. Ein paar kurze Videos anzusehen, Beiträge aus unbekannten Quellen zu lesen oder zu glauben, was eine Suchmaschine anzeigt, macht uns noch lange nicht zu Menschen mit Wissen. Es kann uns sogar zu falschen Vorstellungen über unsere Religion führen.   Wenn ein Gelehrter stirbt, verlieren wir nicht nur einen Menschen. Wir verlieren auch jemanden, der Wissen und Weisheit vermittelt und anderen den Weg zeigt. Der Gesandte Allahs (s) sagte: „Allah nimmt den Menschen das Wissen nicht einfach weg. Vielmehr nimmt er es, indem er die Gelehrten sterben lässt. Wenn schließlich kein Gelehrter mehr übrig ist, nehmen sich die Menschen Unwissende zu Anführern. Diese werden um Rat gefragt und geben religiöse Urteile ab, ohne das nötige Wissen zu haben. So gehen sie selbst in die Irre und führen auch andere in die Irre.“[4]   Dieser Hadith zeigt uns: Wissen geht verloren, wenn Gelehrte sterben und niemand heranwächst, der ihre Aufgabe übernehmen kann. Deshalb sollten wir unsere Kinder zum Lernen ermutigen. Unterstützen wir junge Menschen dabei, Gelehrte zu werden oder sich in anderen Bereichen gründliches Wissen und Können anzueignen, damit sie der Gesellschaft nützlich sind. Möge Allah uns auf dem geraden Weg weisen. Möge er uns und unsere Nachkommen davor bewahren, auf falsche Wege zu geraten. Amin! [1] Ibn Madscha, Sunna, 17 [2] Tirmizi, Ilm, 19 [3] Sure Nahl, 16:43 [4] Buhari, Ilm, 34   Hutba – Deutsch Hutba – Türkisch Hutba – Englisch Hutba – Niederländisch Hutba – Französisch Hutba – Schwedisch Hutba – Dänisch

Der Wert des Lehrens und des Gelehrten Weiterlesen »

Islamische Gemeinschaft zu den Wahlen: Licht und Schatten für muslimisches Leben

„Wahlergebnisse verändern politische Mehrheiten – nicht den Anspruch auf gleiche Rechte. Die Islamische Gemeinschaft warnt vor Sondermaßstäben für muslimisches Leben“, erklärt Ali Mete, Generalsekretär der Islamischen Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG). Anlass sind die Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin. Ali Mete weiter. „Die Wahl in Mecklenburg-Vorpommern zwingt uns, eine unbequeme Entwicklung klar zu benennen: Mit 38,2 Prozent ist eine Partei stärkste Kraft geworden, deren Regierungsprogramm ausdrücklich eine ‚Reduzierung muslimischer Migration‘ fordert und islamische Gemeinschaften besonderen Verpflichtungen unterwerfen will. Damit geht es für uns längst nicht mehr nur um migrationspolitische Debatten. Es geht um eine grundsätzliche Frage: Wird muslimisches Leben als selbstverständlicher Teil dieses Landes behandelt – oder zunehmend als Sonderfall, für den andere Maßstäbe gelten sollen? Musliminnen und Muslime leben nicht auf Widerruf in Deutschland. Sie sind Bürgerinnen und Bürger dieses Landes, sie arbeiten hier, gründen Familien, Vereine und Gemeinden, zahlen Steuern und gestalten Gesellschaft. Sie sind deshalb keine Gäste, deren Zugehörigkeit von politischen Mehrheiten bestätigt werden müsste. Ihre Religionsfreiheit und ihre Gleichbehandlung sind durch das Grundgesetz garantiert. Die Wahlen zeigen zugleich, dass Deutschland politisch keineswegs in eine Richtung geht. In Berlin ist mit der Linken eine Partei stärkste Kraft geworden, die gesellschaftliche Vielfalt und den Schutz vor antimuslimischem Rassismus ausdrücklich zu politischen Themen macht. Mit Elif Eralp steht dabei eine Politikerin an der Spitze, deren Eltern aus der Türkei stammen und die nun als Wahlsiegerin Anspruch auf das Rote Rathaus erhebt. Auch darin zeigt sich, wie sehr gesellschaftliche Vielfalt längst zur Normalität in Deutschland geworden ist. Zugleich haben auch die Rechtsextremen in Berlin deutlich hinzugewonnen. Diese Gleichzeitigkeit sollte uns zu denken geben: Die Frage, wie dieses Land mit seiner religiösen und gesellschaftlichen Vielfalt umgeht, wird politisch immer stärker umkämpft. Für uns folgt daraus weder Rückzug noch Alarmismus. Im Gegenteil: Muslimisches Leben muss sichtbarer und selbstverständlicher Teil der gesellschaftlichen Debatte sein – nicht nur dann, wenn über Migration, Integration oder Sicherheit gesprochen wird. Millionen Musliminnen und Muslime gehören zur sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Wirklichkeit Deutschlands. Wer über die Zukunft dieses Landes spricht, spricht deshalb auch über ihre Zukunft. Wahlen verändern Mehrheiten. Sie dürfen aber nicht darüber entscheiden, wer als selbstverständlich zu Deutschland gehört und wer seine Zugehörigkeit immer wieder begründen muss. Wir erwarten von allen politischen Verantwortlichen, diesen Unterschied zu achten. Die Islamische Gemeinschaft wird sich auch künftig selbstbewusst in die gesellschaftliche Debatte einbringen – als Religionsgemeinschaft in Deutschland und als Teil dieses Landes.“

Islamische Gemeinschaft zu den Wahlen: Licht und Schatten für muslimisches Leben Weiterlesen »

Gerechtigkeit und Barmherzigkeit in der Erziehung

Verehrte Muslime! Wie bringen wir unseren Kindern etwas bei? Wie erziehen wir sie richtig? Diese Fragen sind heute besonders wichtig. Ob in der Moschee, in der Schule oder zu Hause: Es kommt darauf an, wie wir mit Kindern umgehen. Dabei brauchen wir vor allem zwei Dinge: Gerechtigkeit und Barmherzigkeit. Unser geliebter Prophet (s) begegnete den Menschen freundlich und zeigte ihnen so den richtigen Weg. Im Koran heißt es: „Durch Allahs Güte warst du sanft zu ihnen. Wärst du grob und hartherzig gewesen, wären sie vor dir geflohen.“[1] Wir sehen also: Unser Prophet (s) erreichte die Herzen der Menschen durch seine Freundlichkeit und Barmherzigkeit.   Daran sollten sich auch Lehrer und Eltern ein Beispiel nehmen. Freundliche Worte erreichen das Herz, ein harter Ton kann dagegen dazu führen, dass ein Kind sich zurückzieht. Es könnte mit der Zeit die Freude am Unterricht verlieren und nicht mehr in die Schule oder Moschee gehen. Anes ibn Malik (r) wuchs in der Nähe des Propheten (s) auf. Er erzählt: „Ich war dem Gesandten Allahs (s) zehn Jahre zu Diensten. Bei Allah, er hat nicht ein einziges Mal auch nur ‚Uff!‘ zu mir gesagt. Nie sagte er zu mir: ‚Warum hast du das so gemacht?‘ oder: ‚Du hättest es doch so machen sollen.“[2] Wenn Kinder etwas falsch machen, sollten Erzieher und Eltern ihm helfen, es besser zu machen, ohne es dabei zu kränken. Auch wenn wir auf Regeln aufstellen, müssen wir liebevoll bleiben.   Liebe Geschwister! Ein weiteres Beispiel dafür sind Musa (a) und sein Bruder Harun (a). Als sie zum Pharao, einem Tyrannen, sprechen sollten, sagte Allah ihnen: „Sprecht sanft mit ihm. Vielleicht nimmt er sich die Ermahnung zu Herzen oder empfindet Ehrfurcht.“[3] Selbst zum Pharao sollten sie also freundlich sprechen, weil nur das die Herzen erreichen kann. Bei der Erziehung sind wir liebevoll, aber auch gerecht. Gerecht zu sein bedeutet nicht, immer allen das Gleiche zu geben. Es bedeutet, auf jeden Einzelnen zu achten und jedem zu geben, was ihm zusteht. Wenn wir Noten geben, Kinder zu Wort kommen lassen oder auf Regeln achten, müssen wir fair bleiben. Das gilt auch, wenn wir ein Kind loben oder ihn auf einen Fehler hinweisen.   Es ist nicht gerecht, bei einem Kind ein Auge zuzudrücken, weil wir es mögen, und bei einem anderen besonders streng zu sein. Es ist nicht gerecht, das Kind einer reichen Familie herzlich zu behandeln und dem Kind einer armen Familie die kalte Schulter zu zeigen. Und es ist nicht gerecht, immer nur die guten Schüler zu loben und die stillen Kinder oder diejenigen, denen das Lernen schwerfällt, zu übersehen. Genauso ungerecht ist es, jemanden zu bevorzugen, nur weil wir ihn oder seine Familie kennen. Wir dürfen niemandem einen Platz oder eine Chance verschaffen, die eigentlich einem anderen zusteht. Denn damit behandeln wir andere nicht nur unfair. Wir nehmen ihnen auch ihr Recht.   Gerechtigkeit und Barmherzigkeit gehören in unser ganzes Leben: in die Familie, an den Arbeitsplatz, in den Umgang mit unseren Nachbarn und in unsere Geschäfte. Bei allem, was wir sagen und tun, sollen wir gerecht bleiben und anderen mit Mitgefühl und Verständnis begegnen. Vergessen wir nicht: Wenn wir gerecht sind, wächst das Vertrauen. Wenn wir barmherzig sind, kommen wir einander näher.   Möge unser Herr uns zu Menschen machen, die gerecht bleiben, in allen Lebensbereichen barmherzig sind und die Rechte anderer achten. Amin. [1] Sure Ali Imran, 3:159 [2] Muslim [3] Sure Taha, 20:44   Hutba – Deutsch Hutba – Türkisch Hutba – Arabisch Hutba – Englisch Hutba – Niederländisch Hutba – Französisch Hutba – Dänisch Hutba – Schwedisch

Gerechtigkeit und Barmherzigkeit in der Erziehung Weiterlesen »