G.

Die Hidschra: Das islamische Neujahr

Verehrte Muslime! Am kommenden Dienstag beginnt das Jahr 1448 nach der Hidschra. Die Hidschra war die große Reise, die unser Prophet (s) mit seinen Gefährten im Jahr 622 n. Chr. von Mekka nach Medina unternommen hat. Diese gesegnete Reise gehört zu den größten Beispielen für Aufopferung, gegenseitige Hilfe und Geschwisterlichkeit. Die Auswanderer verließen ihre Heimat wegen der Feindseligkeiten, denen sie ausgesetzt waren – und sie taten es für Allah, also um ihren Glauben frei leben zu können. Die Helfer in Medina öffneten ihre Türen, teilten alles mit ihnen und nahmen sie als Geschwister im Glauben auf. Dieser Zusammenhalt in einer schwierigen Zeit ist der Grund dafür, dass der Islam bis in unsere Zeit überliefert und gelebt wird.   Im Koran heißt es: „Die Gläubigen aber, welche auswanderten und sich auf Allahs Weg abmühten und (dem Propheten) Herberge und Hilfe gewährten, das sind die wahrhaft Gläubigen. Ihnen gebührt Verzeihung und großmütige Versorgung.“[1]   Liebe Geschwister! Die Hidschra ist weit mehr als ein Umzug von einer Stadt in die andere. Sie hat eine tiefere Bedeutung. Hidschra heißt, zu vermeiden, was Allah nicht gefällt. Unser Prophet (s) sagte dazu: „Ein Muslim ist derjenige, vor dessen Hand und Zunge die anderen Muslime sicher sind. Und ein Auswanderer ist derjenige, der das verlässt, was Allah verboten hat.“[2] Die wahre Hidschra ist also nicht nur, den Ort zu wechseln, sondern Abstand zu nehmen von schlechten Dingen. Diese innere Hidschra bedeutet, sich vom Stolz des eigenen Egos und vom Einfluss des Teufels abzuwenden und sich Allahs Zufriedenheit hinzuwenden. Fragen wir uns ehrlich: Wie sehr haben wir uns im vergangenen Jahr wirklich von dem ferngehalten, was Allah missfällt? Denn ein neues Hidschra-Jahr ist immer auch eine Erinnerung daran, dass wieder ein Jahr unseres Lebens vergangen ist. Der Tod rückt näher und es ist Zeit, innezuhalten und Bilanz zu ziehen. Lasst uns das gemeinsam tun: Haben wir uns wirklich von dem, was Allah missfällt, ferngehalten? Haben wir unsere grundlegenden Ibâdas verrichtet? Das Gebet, die Zakat, das Fasten, die Hadsch? Gibt es etwas, das wir nachholen müssen? Haben wir aufrichtig Reue gezeigt? Umar (r) ging als gutes Beispiel voran und hat uns geraten: „Zieht euch selbst zur Rechenschaft, bevor ihr zur Rechenschaft gezogen werdet. Bereitet euch vor, auf den großen Tag der Abrechnung! Denn am Tag der Auferstehung wird die Abrechnung nur denen leichtfallen, die sich schon im Diesseits selbst zur Rechenschaft gezogen haben.“[3]   Möge Allah uns die Gnade geben, unser Leben mit dieser Haltung zu führen. Möge unser neues Hidschra-Jahr für die gesamte islamische Welt und für die ganze Menschheit zum Anlass für viel Gutes werden. Âmîn. [1] Sure Anfâl, 8:74 [2] Buhârî, Iman, 4 [3] Tirmizî, Sifât al-Kiyâma, 25   Hutba – Deutsch Hutba – Türkisch Hutba – Englisch Hutba – Arabisch Hutba – Niederländisch Hutba – Französisch Hutba – Schwedisch Hutba – Dänisch

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Einheit und Geschwisterlichkeit

Verehrte Muslime! Im Koran heißt es, dass die Gläubigen Geschwister sind. Diese Geschwisterlichkeit geht nicht auf die Herkunft oder Sprache der Gläubigen zurück, sondern hat mit der gemeinsamen Religion zu tun. Im Kern dieser Geschwisterlichkeit steht allein das Bewusstsein, Diener Allahs zu sein und zur Umma unseres geliebten Propheten Muhammad Mustafa (s) zu gehören. In zahlreichen Hadithen wird betont, dass Muslime einander lieben und dass ihr Iman nicht vollkommen ist, solange sie ihren Geschwistern nicht dasselbe Gute wünschen, das sie für sich selbst wünschen. Um die Liebe unter den Gläubigen zu stärken, hat unser Prophet (s) uns stets zu guten Taten ermutigt und gesagt: „Ihr werdet das Paradies nicht betreten, solange ihr nicht glaubt, und ihr werdet nicht wahrhaft glauben, solange ihr einander nicht liebt. Soll ich euch etwas zeigen, das euch dazu bringt, einander zu lieben, wenn ihr es tut? Verbreitet den Friedensgruß unter euch.“[1]   Liebe Geschwister! Im Islam wird der Geschwisterlichkeit unter Muslimen große Bedeutung beigemessen. Wer seinen Geschwistern hilft, dessen Sorgen und Nöte werden von Allah beseitigt werden. So hat unser Prophet (s) gesagt: „Ein Muslim ist der Bruder des anderen Muslims. Er tut ihm kein Unrecht und liefert ihn nicht aus. Wer seinem muslimischen Bruder in einer Not beisteht, dem steht Allah in seiner eigenen Not bei. Wer einem Muslim eine Bedrängnis nimmt, dem nimmt Allah dafür am Tag des Gerichts eine seiner Bedrängnisse. Und wer den Fehler eines Muslims verdeckt, dem verdeckt Allah am Tag des Gerichts seinen Fehler.“[2]   Den Schmerz seiner Geschwister zu teilen, ist sowohl ein Gebot unserer Religion als auch Ausdruck des Mitgefühls, das der Natur des Menschen liegt. In einem Hadith wird diese Haltung mit den Gliedern eines Körpers verglichen: „Die Gläubigen gleichen in ihrer gegenseitigen Liebe, ihrem Mitgefühl und ihrer Zuneigung einem einzigen Körper: Wenn ein Glied erkrankt, teilen die übrigen Glieder diesen Schmerz durch Schlaflosigkeit und Fieber.“[3] Genau dieser Geist der Geschwisterlichkeit zeigt sich darin, dass Muslime nicht nur ihren Nächsten helfen, sondern allen hilfsbedürftigen Menschen auf der Erde ihre Hand reichen.   Verehrte Muslime! In der Geschwisterlichkeit des Glaubens gibt es keinen Platz für ein Gegeneinander von „Du“ und „Ich“. Es geht darum, Schulter an Schulter zusammenzustehen und gemeinsam ein „Wir“ zu werden. Diese Geschwisterlichkeit führt nicht zu Spaltung und Zerfall, sondern festigt Zusammenhalt, Einheit und Gemeinsamkeit. Denn unser Band der Geschwisterlichkeit gründet auf Liebe, Mitgefühl und selbstloser Hilfsbereitschaft. Groll, Hass und Feindschaft haben hier keinen Platz. Allah verlangt von uns: „Haltet allesamt fest am Seil Allahs und spaltet euch nicht.“[4] Allah ruft uns auf zu Einheit und Zusammenhalt und warnt vor Trennung und Zerfall. Möge Allah der Erhabene uns zu Dienern machen, die ihren muslimischen Geschwistern beistehen und ihren Kummer zu ihrem eigenen machen. Möge er uns vor jeder Art von schlechten Gefühlen und Gedanken bewahren. Und möge er unsere Geschwisterlichkeit, unseren Zusammenhalt und unsere Verbundenheit stärken. [1] Muslim, Iman, 93 [2] Muslim, Birr 58 [3] Buhârî, Adab, 27; Muslim, Birr, 66 [4] Sure Âli Imrân, 3:103   Hutba – Deutsch Hutba – Türkisch Hutba – Arabisch Hutba – Englisch Hutba – Niederländisch Hutba – Französisch Hutba – Schwedisch Hutba – Dänisch

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Diskriminierung auf Höchststand: Islamische Gemeinschaft fordert wirksame Reform

„Die Zahlen sind alarmierend: Rassismus bleibt die häufigste Diskriminierungsform, muslimische Frauen sind besonders betroffen. Die geplanten Reformen reichen nicht aus“, erklärt Ali Mete, Generalsekretär der Islamischen Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG). Anlass sind Befunde aus dem Jahresbericht der Antidiskriminierungsstelle des Bundes für das Jahr 2025. Ali Mete weiter: „Der Jahresbericht der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) ist ein deutliches Warnsignal. Die Zahl der gemeldeten Diskriminierungsfälle hat mit 4.571 Beratungsanfragen einen neuen Höchststand erreicht. Besonders besorgniserregend ist, dass rassistische Diskriminierung weiterhin die häufigste Form der Benachteiligung darstellt und die Zahl der gemeldeten Fälle seit Jahren steigt. Wenn Menschen wegen ihrer Herkunft, ihrer Hautfarbe, ihres Namens oder ihrer Religion ausgegrenzt, herabgewürdigt oder benachteiligt werden, betrifft das nicht nur die unmittelbar Betroffenen. Es betrifft den Zustand unserer gesamten Gesellschaft. Ebenso alarmierend ist der erneute Anstieg von Diskriminierungen gegenüber Menschen mit Behinderungen und chronischen Erkrankungen. Der Umgang mit den Schwächsten und Verletzlichsten ist ein Maßstab für die Menschlichkeit einer Gesellschaft. Jeder Mensch besitzt die gleiche Würde und das gleiche Recht auf Respekt, Teilhabe und Chancengleichheit. Mit besonderer Sorge nehmen wir zur Kenntnis, dass muslimische Frauen mit Kopftuch weiterhin zu den besonders häufig von Diskriminierung betroffenen Gruppen gehören. 172 Beratungsanfragen gab es in diesem Bereich. Die Dunkelziffer dürfte um ein Vielfaches höher liegen; das wissen wir aus der Praxis. Diese alarmierende Entwicklung fällt nicht vom Himmel: Politische und staatliche Kopftuchverbote haben die religiöse Sichtbarkeit von Musliminnen als Problem markiert. Der Staat hat damit Ausgrenzung vorgelebt, der Alltag zieht nun nach. Diesen Teufelskreis gilt es dringend zu durchbrechen. Der ADS-Bericht macht zugleich auf erhebliche Schutzlücken aufmerksam. Viele Diskriminierungserfahrungen im Kontakt mit Behörden, öffentlichen Einrichtungen oder anderen staatlichen Stellen fallen bislang nicht unter den Schutz des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes. Gerade staatliche Institutionen müssen jedoch Vorbild für Gleichbehandlung, Fairness und Rechtsstaatlichkeit sein. Deshalb unterstützen wir die Forderung nach einer umfassenden Weiterentwicklung des Antidiskriminierungsrechts. Die derzeit diskutierten Reformschritte bleiben jedoch deutlich hinter dem tatsächlichen Handlungsbedarf zurück. Einzelne Verbesserungen können zwar hilfreich sein, sie schließen aber die zentralen Schutzlücken nicht. Das Gesetz benötigt tiefgreifende Veränderungen. Beispielsweise bleibt Diskriminierung durch staatliche Stellen weitgehend außerhalb des Anwendungsbereichs, obwohl gerade hier viele Betroffene Benachteiligungen erleben. Menschen müssen wirksam vor Benachteiligung geschützt werden – unabhängig davon, ob diese im Berufsleben, im Alltag oder durch staatliches Handeln erfolgt. Wer von Diskriminierung betroffen ist, darf nicht mit seinen Erfahrungen allein gelassen werden.“

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Barmherzigkeit und Sadaka in der Familie

Verehrte Muslime! Wir danken Allah, dass er uns das Kurbanfest gegeben hat, und uns ermöglicht hat, es im Kreise unserer Familie und Freunde zu verbringen! Mögen unsere Ibâdas angenommen werden. Die Familie ist der erste Lernort des Menschen, denn hier lernen wir Liebe, Respekt und Mitgefühl. Eine starke Gesellschaft besteht aus Familien, in denen diese Eigenschaften nicht nur gelernt, sondern gelebt werden. Liebe, Zuneigung und Mitgefühl sind wesentlich für das Familienleben, und darüber hinaus auch für die Beziehung zu unseren Verwandten. Im Koran heißt es: „Hütet euch davor, Allah gegenüber ungehorsam zu sein, und die verwandtschaftlichen Bindungen zu zerreißen.“[1] Gehorsam gegenüber Allah und Verantwortung gegenüber der Familie gehören also zusammen. Und unser Prophet (s) hat gesagt: „Der Beste unter euch ist derjenige, der am besten zu seiner Familie ist. Und derjenige unter euch, der am besten zu seiner Familie ist, bin ich.“[2] Denn jede gute Beziehung, die wir in der Familie aufbauen, ist ein Mehrwert für unsere Gesellschaft.   Liebe Geschwister! Mitgefühl bedeutet, ein sanftes Herz zu haben und die Lage anderer nachvollziehen zu können. Unser Prophet (s) hat gesagt: „Wer nicht mitfühlend ist, wird auch kein Mitgefühl erfahren.“[3] In der Familie zeigt sich das ganz konkret: kränkende Worte vermeiden, vergeben können und einander die Last erleichtern. Wenn Ehepartner einander mit Verständnis begegnen, wenn Kinder mit Liebe aufwachsen und ältere Menschen mit Achtung behandelt werden, dann ist das: gelebtes Mitgefühl. Und wer in so einer Familie aufwächst, trägt diese Güte auch in die Gesellschaft hinein.   Verehrte Muslime! Eine Sadaka, also eine Spende, umfasst im Islam nicht nur finanzielle Hilfe. Unser Prophet (s) hat darauf hingewiesen: „Deinen Bruder anzulächeln ist eine Sadaka. Das Gute zu vermitteln und dem Schlechten entgegenzuwirken, ist eine Sadaka. Jemandem, der sich verirrt hat, den Weg zu zeigen, ist eine Sadaka.“[4] Das bedeutet: Auch jede gute Tat in der Familie hat den Rang einer Sadaka. Wenn eine Mutter ihr Kind mit Geduld erzieht, wenn ein Vater sich für seine Familie einsetzt, wenn Geschwister füreinander da sind – all das ist eine wertvolle Sadaka vor Allah. Familien, die mit diesem Bewusstsein leben, finden Frieden im Diesseits und den versprochenen Lohn im Jenseits.   Vergessen wir nicht: Wo Mitgefühl fehlt, gibt es keinen Frieden, egal wie gut es uns finanziell geht. Denn Sadaka und Mitgefühl helfen nicht nur den Bedürftigen, sie heilen auch unsere eigenen Herzen. Als Muslime sollten wir daher unsere Familien zu einem Ort des Mitgefühls und der Großzügigkeit machen. Unseren Kindern sollten wir nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch die Bereitschaft zu teilen und geduldig und verständnisvoll miteinander umzugehen.   O Allah! Schenke unseren Herzen Mitgefühl, unseren Tischen Segen und unseren Familien Frieden, Beständigkeit und innere Ruhe. Âmîn! [1] Sure Nisâ, 1:4 [2] Tirmizî, Manâkib, 63 [3] Buhârî, Adab 18; Muslim, Fazâil, 65 [4] Tirmizî, Birr, 36   Hutba – Deutsch Hutba – Türkisch Hutba – Arabisch Hutba – Englisch Hutba – Niederländisch Hutba – Französisch Hutba – Schwedisch Hutba – Dänisch

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Ein gesegnetes Kurbanfest!

Verehrte Muslime! Wir danken Allah dafür, dass wir ein weiteres Kurbanfest erleben können. Festtage sind ein Geschenk, denn sie stärken unseren Zusammenhalt und unser Mitgefühl. Das Opfern, Kurban, ist mehr als eine Ibâda: Es steht für Hingabe, Vertrauen und Nähe zu Allah. Es erinnert uns an die Propheten Ibrahim (a) und Ismail (a). Ihre Treue und Hingabe werden uns bis zum Jüngsten Tag als Vorbild dienen. Sie machen uns bewusst, was es heißt, Allah zu dienen. So heißt es im Koran: „Weder ihr Fleisch noch ihr Blut erreicht Allah. Doch eure Takwâ erreicht ihn.“[1] Leider überschatten Kriege und Konflikte unsere Festtage. In verschiedenen Teilen der Erde leiden und sterben unschuldige Menschen. Darunter viele Kinder, Frauen und alte Menschen. Zerstörte Städte, zerrissene Familien und die verlorene Hoffnung auf Frieden hinterlassen tiefe Wunden im Gewissen der Menschheit. Viele Menschen, die sich eigentlich wie wir freuen sollten, leben heute in Angst und Ungewissheit. Der Islam lehrt uns Frieden und fordert von uns, Frieden zu vermitteln. Unser Prophet (s) sagte: „Ein Muslim ist derjenige, vor dessen Zunge und Hand die anderen Muslime sicher sind. Und ein echter Gläubiger ist derjenige, dem die Menschen in Bezug auf ihr Leben und ihren Besitz vertrauen.“[2] Damit erinnert uns unser Prophet (a) daran, dass Frieden eine Verantwortung ist – für jeden Einzelnen von uns und die gesamte Gesellschaft. Deshalb sollten wir für den Frieden auf der ganzen Welt beten und uns mit aller Kraft dafür einsetzen. Liebe Geschwister! Das Kurbanfest ist ein Fest des Teilens und der Selbstlosigkeit. Wenn wir das, was wir besitzen, mit den Bedürftigen teilen, bauen wir Brücken zwischen den Herzen. Wahren Reichtum erlangen wir nur, wenn wir teilen und abgeben. Unseren Geschwistern und allen anderen Menschen in Krisen- und Kriegsgebieten zu helfen, ist eine Pflicht unseres Imans. Allah hat für jene, die unterdrückten Menschen beistehen, eine frohe Botschaft: „Jene, die ihren Besitz bei Nacht und bei Tag, im Verborgenen und im Offenen auf dem Wege Allahs ausgeben — für sie ist ihr Lohn bei ihrem Herrn. Keine Furcht wird über sie kommen, und sie werden nicht traurig sein.“[3] Lasst uns in diesen Festtagen unsere Herzen von Wut und Zorn befreien. Wünschen wir uns, dass Liebe und Nachsicht zuerst in uns selbst und dann in unserem Umfeld zunehmen. Überwinden wir Kränkungen und versöhnen uns mit denen, mit denen wir Streit hatten. Tragen wir Ruhe und Vertrauen in unsere Familie und Gesellschaft. Denn Frieden beginnt mit kleinen Schritten. Er wächst durch einen Gruß, ein Lächeln, ein Opfer und durch eine gute Tat, die noch so klein erscheinen mag. Nehmen wir das Fest zum Anlass, unsere Eltern, unsere Älteren, Geschwister und Verwandte und die Einsamen zu besuchen oder sie zumindest anzurufen. Und bereiten wir den Kindern eine Freude. Möge Allah uns zu jenen zählen, die für Frieden, Geschwisterlichkeit und Mitgefühl stehen. Möge er all unseren Geschwistern in Palästina, in Gaza, im Libanon, in Ostturkestan, im Iran und überall auf der Welt Frieden und Heil schenken. Möge er der gesamten Menschheit Ruhe, Gerechtigkeit und Frieden schenken. Möge er unsere Opfer annehmen und unser Fest segnen. Âmîn! [1] Sure Hadsch, 22:37 [2] Tirmizî, Iman, 12 [3] Sure Bakara, 2:274 Hutba – Deutsch Hutba – Türkisch Hutba – Arabisch Hutba – Englisch Hutba – Niederländisch Hutba – Französisch Hutba – Schwedisch Hutba – Dänisch

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Islamische Gemeinschaft: 77 Jahre Grundgesetz sind Anlass zur Dankbarkeit und zur Selbstprüfung

„Das Grundgesetz ist ein Schutzversprechen für alle. Die Verantwortung ‚vor Gott und den Menschen‘ bewährt sich im Schutz der Würde jedes Menschen“, erklärt Ali Mete, Generalsekretär der Islamischen Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG). Anlass ist der 23. Mai, der 77. Jahrestag des Grundgesetzes. Ali Mete weiter: „Zum 77. Jahrestag des Grundgesetzes würdigt die Islamische Gemeinschaft die Verfassung als Schutzversprechen für alle Menschen in Deutschland. Das Grundgesetz beginnt nicht mit Macht, Staat oder Mehrheit. Es beginnt mit der Würde des Menschen. Das ist seine stärkste Botschaft – und sein bleibender Auftrag. Die Präambel des Grundgesetzes spricht von Verantwortung ‚vor Gott und den Menschen‘. Diese Verantwortung bewährt sich im Schutz der Würde jedes Menschen. Sie zeigt sich dort, wo Minderheiten respektiert und ihre Rechte verteidigt werden – auch dann, wenn es der Mehrheit nicht genehm ist. Staatliche Neutralität bedeutet nicht, Religion aus der Öffentlichkeit zu verdrängen. Sie bedeutet Fairness. Der Staat darf Glaubensgemeinschaften nicht bevorzugen, aber auch nicht benachteiligen. Neutralität ist kein Auftrag zur religiösen Unsichtbarkeit. Sie ist ein Gebot gleicher Freiheit. Musliminnen und Muslime sind Teil des demokratischen Wir. Wer die Verfassung feiert, muss deshalb auch ihre Freiheitsrechte ernst nehmen. Dazu gehört die Religionsfreiheit. Sie schützt nicht nur den Glauben im Inneren, sondern auch seine sichtbare Ausübung im Alltag: in Moscheen, im Gebet, in religiöser Bildung, im sozialen Engagement und auch in religiösen Zeichen. 77 Jahre Grundgesetz sind deshalb Anlass zur Dankbarkeit – und zur Selbstprüfung. Das Grundgesetz ist kein Vertrag auf Bewährung. Es ist ein auf Dauer verankertes Versprechen: gleiche Würde, gleiche Freiheit, gleiche Rechte. Für alle.“

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Der Geist des Kurbans und die Ethik des Teilens

 Verehrte Muslime! Am kommenden Mittwoch werden wir inschallah das Kurbanfest feiern. Kurban ist nicht bloß das Opfern eines Tieres. Es ist eine Ibâda, ein Ausdruck der Hingabe, Aufrichtigkeit und Verbundenheit mit Allah. Im Koran heißt es: „Allen Völkern gaben wir Opferriten, damit sie Allahs Namen über dem Vieh aussprächen, mit dem wir sie versorgten. Und euer Gott ist ein einziger Gott. Darum seid ihm ergeben! Und verkünde denen frohe Botschaft, die Demut zeigen!“[1]   Allah teilt uns mit, dass der Sinn des Kurbans Reinheit ist. Entscheidend ist, mit welcher Absicht und mit welchem Bewusstsein wir diese Ibâda verrichten. Deshalb sollten wir beim Opfern unsere Herzen prüfen und unsere Absichten überdenken. Kurban ist ein Erbe des Propheten Ibrahim (a) und Ismail (a). Die Geschichte Ibrahims steht für die Verbundenheit mit Allah. Auch wir sollten beim Opfern diese tiefe Bedeutung bedenken.   Liebe Geschwister! Kurban ist zugleich eines der schönsten Zeugnisse des Teilens und der Geschwisterlichkeit. Wer das Fleisch des Opfertieres mit Bedürftigen teilt, stärkt den Zusammenhalt in der Gesellschaft und baut Brücken zwischen den Herzen der Menschen. Heute kämpfen Menschen in vielen Teilen der Welt mit Hunger, Krieg und Armut. Das Kurban ruft uns diese Wirklichkeit in Erinnerung. Wir dürfen nicht vergessen, dass alles, was wir besitzen, uns anvertraut ist, und wir den Kummer bedürftiger Menschen im Herzen fühlen sollten. Allah spricht: „Menschen, die von ihrem Besitz bei Nacht und am Tage, im Verborgenen und öffentlich spenden, die haben ihren Lohn bei ihrem Herrn; keine Furcht soll über sie kommen, und sie sollen nicht traurig sein.“[2]   Die Ethik des Teilens gehört zu den Grundwerten des Islams. Ein Gläubiger ist jemand, der nicht satt schlafen geht, solange sein Nachbar hungert. Waisenkinder zu schützen, den Armen nicht aus dem Blick zu verlieren, dem Bedrängten die Hand zu reichen – das sind Eigenschaften eines wahren Gläubigen. Wer einem Bedürftigen ein Lächeln schenkt oder wer das Duâ eines Waisenkindes empfängt, dem öffnet Allah die Tore des Paradieses. Unser Prophet (s) hat verkündet: Wer einen Hungrigen speist, wer einem Durstigen den Durst stillt, wer einen Menschen bekleidet, der Kleidung benötigt, den wird Allah belohnen.[3]   Das Kurbanfest ist ein Anlass, damit wir Muslime uns und unsere Gesellschaft an wichtige Werte erinnern und diese in unserem Leben umsetzen. Unsere Ibâdas sollten wir nicht verrichten, um gesehen zu werden, sondern einzig und allein für Allah. Das ist Aufrichtigkeit. Vergessen wir nicht: Was vor Allah Wert besitzt, ist nicht die Größe oder Sichtbarkeit einer Tat, sondern ihre Beständigkeit und die Reinheit, mit der sie ausgeführt wird.   Liebe Geschwister! Die humanitäre Hilfsorganisation Hasene leistet seit Jahren weltweite, humanitäre Hilfe und organisiert die Verteilung der Opfertiere. Auch dieses Jahr verteilt Hasene die Opfergaben in alle Teile der Welt. Beteiligen wir uns an dieser wertvollen und gesegneten Arbeit mit unseren Kurban-Spenden. O Allah! Lass uns zu jenen gehören, die das Bewusstsein des Kurban Opfers erlangen und die Ethik des Teilens verwirklichen.   Und zur Erinnerung, liebe Geschwister! Der Dienstag vor dem Fest ist der Tag von Arafa, also der 9. Zulhidscha. An diesem Tag versammeln sich alle Pilger auf dem Berg Arafat. Sie denken über ihr bisheriges Leben nach und bekommen einen Vorgeschmack auf den Tag des Jüngsten Gerichts. Reue wird sich in Duâ und Umkehr verwandeln. Möge Allah den Hadsch all unserer Geschwister annehmen und auch unsere Gebete und unsere Tawba zu denen auf Arafat zählen.   Vergessen wir währenddessen nicht die Taschrîk-Takbîre zu sprechen. Ab dem Morgengebet des Tages von Arafa bis zum Nachmittagsgebet des vierten Festtages wird nach jedem Farz-Gebet einmal gesprochen: „Allâhu akbar, Allâhu akbar, lâ ilâha illallâhu wallâhu akbar. Allâhu akbar wa lillâhil hamd.“ Dies nennt man den Taschrîk-Takbîr. Ob man allein betet oder hinter dem Imam, ob auf Reisen oder zu Hause, ob Mann oder Frau – jeder soll den Taschrîk-Takbîr sprechen. Lasst uns das Fest mit Freude empfangen und mit Freude begehen. Âmîn. [1] Sure Hadsch, 22:34 [2] Sure Bakara, 2: 274 [3] Tirmizî, Kiyâma, 18   Hutba – Deutsch Hutba – Türkisch Hutba – Französisch Hutba – Englisch Hutba – Schwedisch Hutba – Niederländisch Hutba – Arabisch Hutba – Dänisch

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Sabr: Die innere Kraft des Muslims

Verehrte Muslime! Unser Glaube hilft uns, unser Leben sinnvoll und harmonisch zu gestalten. Eine der wichtigsten Eigenschaften hierfür ist Sabr, also: Geduld, Standhaftigkeit oder Gleichmut. Sabr bedeutet nicht nur, Schwierigkeiten zu ertragen. Es ist eine bewusste Haltung, ein entschlossener Wille und innere Kraft. Für uns Muslime heißt Sabr nicht, passiv abzuwarten. Im Gegenteil: Sabr bedeutet, aktiv und tatkräftig zu sein. Im edlen Koran beschreibt Allah Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten, mit den Worten: „Jene, die in Geduld standhaft sind und auf ihren Herrn vertrauen!“[1] Sabr und Vertrauen in Allah gehören untrennbar zusammen und sind das Fundament des Gläubigen.   Wir alle stehen tagtäglich vor Prüfungen. Mal werden wir durch materielle Not geprüft, mal durch Krankheit, mal durch Enttäuschungen, die uns im Herzen treffen. Gerade dann wird Sabr zur stärksten Stütze. Wer Sabr besitzt, handelt mit Weisheit, statt sich von Emotionen führen zu lassen. Denn er weiß: Sabr führt am Ende zum Erfolg. Dazu heißt es im Koran: „O ihr, die ihr glaubt! Sucht Hilfe in Standhaftigkeit und Gebet; siehe, Allah ist mit den Standhaften.“[2] Und der Gesandte Allahs (s) sprach: „Wer sich in Geduld übt, dem verleiht Allah Durchhaltevermögen. Niemandem wurde ein besseres Geschenk zuteil als Geduld.“[3] Unser Prophet (s) ist das beste Beispiel für Geduld. Trotz der Unterdrückung und Verfolgung, die er in Mekka erfuhr, blieb er geduldig und standhaft. Und am Ende trug die Wahrheit den Sieg davon.   Liebe Geschwister! Geduld brauchen wir nicht nur in Zeiten der Prüfung. Wir brauchen Sabr auch in unseren Ibâdas, in der Pflege eines guten Charakters und darin, uns von Sünden fernzuhalten. Es erfordert Sabr, das Gebet regelmäßig zu verrichten, sich vor dem Verbotenen zu schützen und für das Wahre einzutreten. Wer geduldig ist, unterliegt nicht seinem Zorn, beherrscht sein Ego und bleibt aufrichtig. Der Gesandte Allahs (s) fragte: „Wen haltet ihr für einen wahren Kämpfer?“ Die Anwesenden antworteten: „Den, den niemand im Ringkampf besiegen kann.“ Darauf sprach der Prophet (s): „Nein, so ist es nicht. Der wahre Kämpfer ist derjenige, der im Zorn sein Ego besiegt.“[4] Es kommt also nicht darauf an, starke Muskeln zu besitzen. Es kommt darauf an, den eigenen Willen zu beherrschen und, wenn man wütend ist, die Beherrschung nicht zu verlieren. Vergessen wir nicht: Wer geduldig ist, wird von Allah belohnt. Unsere Angelegenheiten werden sich zum Guten wenden, denn: „Mit der Schwierigkeit kommt Erleichterung.“[5] Deshalb wollen auch wir im Leben geduldig und standhaft sein, nicht aufgeben und stets auf Allah vertrauen. Beenden wir unsere Hutba mit einem Duâ: O Allah! Mache uns zu deinem geduldigen Dienern. Schenke unseren Herzen Standhaftigkeit und unserem Leben Weisheit. Lass uns [1] Sure Nahl, 16:42 [2] Sure Bakara, 2:153 [3] Muslim, Zakat, 124 [4] Muslim, Birr, 106; Abu Dâwûd, Adab, 3 [5] Sure Scharh, 94:5   Hutba – Deutsch Hutba – Türkisch Hutba – Arabisch Hutba – Englisch Hutba – Französisch Hutba – Niederländisch Hutba – Schwedisch Hutba – Dänisch

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Islamische Gemeinschaft: Kita-Qualität darf nicht von Kassenlage abhängen

„Wer bei Kitas spart, spart an den Startchancen von Kindern. Die Islamische Gemeinschaft fordert verbindliche bundesweite Qualitätsstandards und einen neuen Blick auf Vielfalt“, erklärt Dr. Abdulhalim Inam, Leiter der Bildungsabteilung der Islamischen Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG), anlässlich des geplanten Qualitätsentwicklungsgesetzes (QEG) für die Kindertagesbetreuung. Inam weiter: „Das geplante Qualitätsentwicklungsgesetz für die Kindertagesbetreuung muss das Kindeswohl über Haushaltslogik stellen. Wer bei der frühen Bildung spart, spart an der falschen Stelle: an den Startchancen von Kindern. Frühkindliche Bildung ist kein freiwilliger Luxus, sondern eine Grundlage für Bildungsgerechtigkeit, gesellschaftliche Teilhabe und sozialen Zusammenhalt. Aus islamisch-ethischer Sicht ist jedes Kind ein anvertrautes Gut. Kinder brauchen Schutz, Zuwendung, Zeit, verlässliche Beziehungen und gut ausgebildete Fachkräfte. Ein Staat, der diese Grundlagen schwächt, sägt an der Grundlage seiner eigenen Zukunft. Die Islamische Gemeinschaft unterstützt ausdrücklich das Ziel einer besseren Sprachförderung. Sie warnt jedoch vor einem einseitigen Defizitblick auf mehrsprachige Familien, muslimische Familien und Familien mit Einwanderungs- oder Migrationsgeschichte. Sprachstandserhebungen können sinnvoll sein, wenn daraus echte Förderung folgt. Sie dürfen aber kein Selbstzweck sein. Damit Kinder wirksam gefördert werden, braucht es gute Fachkräfte, stabile Beziehungen und einen wertschätzenden Blick. Kita-Qualität entscheidet sich im Alltag: am Personalschlüssel, an Leitungskapazitäten, an Fortbildung, Fachberatung und an der Zeit, die Fachkräfte für Kinder tatsächlich haben. Deshalb braucht das Qualitätsentwicklungsgesetz verbindliche Kita-Standards, die bundesweit Orientierung geben und nicht bei der ersten Haushaltsdebatte wieder aufgeweicht werden. Wer Qualität will, muss diese Bedingungen verbindlich absichern. Problematisch ist, dass Perspektiven von muslimischen, mehrsprachigen und migrantischen Familien in den Beratungen bislang zu wenig sichtbar sind. Zahlreiche muslimische und migrantische Organisationen leisten vor Ort wichtige soziale Arbeit und bringen praktische Expertise mit. Wer über Kita-Qualität spricht, sollte diese Erfahrungen nicht ignorieren. Eine plurale Gesellschaft braucht Kitas, die religiöse und sprachliche Vielfalt als Chance begreifen – und nicht als Störung des Normalbetriebs. Der bisher oft mitschwingende Leitgedanke, Vielfalt vor allem als Problem oder Herausforderung zu behandeln, führt in die falsche Richtung. Ein solcher Defizitblick ist nicht zukunftsfähig für ein Land, das längst von Vielfalt geprägt ist und künftig noch stärker davon geprägt sein wird.“

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Alltägliches muslimisches Leben nicht als Bedrohung darstellen

„Halal ist eine religiöse Praxis, Teil des muslimischen Lebens – keine politische oder ideologische Entscheidung“, sagt Celil Yalınkılıç, Leiter der Irschadabteilung der Islamischen Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG) und Vorsitzender des IGMG-Gelehrtenrates. Anlass sind Medienberichte rund um die Zertifizierung von Halal-Lebensmitteln. Yalınkılıç weiter: „In den letzten Tagen wurde in Medienberichten die Praxis der Halal-Zertifizierung, unter anderem der Islamischen Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG), aufgegriffen. In der Berichterstattung wird ein wichtiger Teil des muslimischen Lebens, nämlich der Halal-Konsum, mit einer vermeintlich geheimen politischen Agenda. Diesen Ansatz halten wir für falsch und gefährlich. Halal-Lebensmittel sind für Muslime keine politische oder ideologische Frage, sondern selbstverständlicher Teil des religiösen Lebens. Die Halal-Zertifizierung mit Debatten über „politischen Islam” in Verbindung zu bringen, blendet daher nicht nur die alltägliche Lebensrealität von Millionen Muslimen in Europa aus, sondern schürt auch einen Generalverdacht gegenüber den Bemühungen, die religiösen Bedürfnisse muslimischer Gemeinschaften zu decken. Dabei sind diese Bemühungen im Rahmen der Religionsfreiheit zu bewerten, genauso wie etwa die Praxis der Koscher-Zertifizierung durch jüdische Facheinrichtungen oder kirchliche Angebote im Bereich der Bildung. Das Europäische Halal-Zertifizierungsinstitut (EHZ), das unter dem Dach der IGMG tätig ist, überwacht als Non-Profit-Organisation Produktionsprozesse nach transparenten Kriterien, führt unabhängige Laboranalysen durch, vergibt Zertifikate und entzieht sie bei Nichteinhaltung der Standards. Diese Kriterien und Standards werden mit Öffentlichkeit geteilt. Die Politisierung der Halal-Zertifizierung und des alltäglichen musischen Lebens ist leider keine neue Erscheinung. Auch in der Vergangenheit wurden religiöse Praktiken unter Verdacht gestellt. Heute ist wieder zu beobachten, wie bestimmte Kreise versuchen, muslimisches Leben als Ganzes als problematisch darzustellen. Die Kontextualisierung alltäglicher religiöser Praktiken wie des Halal-Konsums, des Kopftuchs, des Gebets oder der Zugehörigkeit zu islamischen Gemeinschaften im Kontext von Sicherheit, Politik oder Ideologie führt dazu, dass der Alltag von Muslimen diskreditiert und mit Misstrauen betrachtet wird. Dabei stehen all diese religiösen Praktiken und Lebensweisen unter dem Schutz des demokratischen Rechtsstaates und der verfassungsmäßigen Ordnung. Die Religionsfreiheit ist eines der vom Grundgesetz garantierten Grundrechte. Ansätze, die die religiöse Lebensweise von Muslimen infrage stellen, sie mit problematischen Etiketten versehen oder gesellschaftlich abzuwerten versuchen, zielen daher nicht nur auf Muslime ab, sondern auch auf die Religionsfreiheit. Solche Ansätze polarisieren und spalten die Gesellschaft, nähren Vorurteile gegenüber Muslimen und schaden dem gegenseitigen Vertrauen. Die Presse- und Meinungsfreiheit ist eines der unverzichtbaren Grundwerte unsrer demokratischen Gesellschaft. So wie die Religionsfreiheit ein hohes schützenswertes Rechtsgut ist, so sind auch die Presse- und Meinungsfreiheit Grundpfeiler der demokratischen Gesellschaftsordnung. Diese Freiheiten bringen jedoch auch journalistische Ethik und Verantwortung mit sich. Es ist von großer Bedeutung, dass Medienschaffende ihrer journalistischen Recherche- und Sorgfaltspflicht nachkommen, für die Ansichten der beschuldigten Personen und Institutionen offen sind und keine Behauptungen ohne ausreichende objektive Prüfung an die Öffentlichkeit tragen. Als IGMG möchten wir zudem betonen, dass wir für alle Fragen und den Dialog offen sind. Transparenz und eine konstruktive Kommunikation sind unverzichtbare Bestandteile des gesellschaftlichen Zusammenlebens.“

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