Aktuelles

Familienzusammenhalt: den Fernen näher kommen

Verehrte Muslime! Heute haben wir mehr Möglichkeiten, einander zu erreichen, als jemals zuvor. Wir verschicken Nachrichten und Fotos in Sekundenschnelle und führen weltweit Videogespräche. Das scheint positiv. Doch wir können beobachten, dass wir trotz dieser Möglichkeiten den Kontakt zu unseren Nächsten mehr und mehr verlieren. Zwar steigt die Zahl der Follower, doch echte Freundschaften schwinden. Viele leiden an Einsamkeit. Im Koran heißt es: „Und dient Allah und setzt ihm nichts an die Seite. Und seid gut zu den Eltern, den Verwandten, den Waisen, den Armen, dem Nachbarn, sei er nah oder fern.“[1] Dieser Vers zeigt uns, dass unsere Dienerschaft nicht nur die Beziehung zu Allah betrifft, sondern auch Verantwortung gegenüber unseren Mitmenschen. Denn gesunde Gesellschaften ruhen auf starken Bindungen. Im Islam nennen wir den Familienzusammenhalt Sila ar-Rahim und er ist eine Ibada. Dies droht in Vergessenheit zu geraten. Es kommt leider vor, dass sich Geschwister monatelang nicht sehen. Immer öfter warten Mütter und Väter sehnsüchtig auf ein Lebenszeichen von ihren Kindern. Viele ältere Menschen wünschen sich einen Anruf oder einen Besuch. Die Technik der Moderne hat uns versprochen, uns mehr Zeit zu bringen, aber Fakt ist, dass unsere Beschäftigungen zugenommen haben – und dadurch keine Zeit für unsere Liebsten übrigbleibt. Unser Prophet (s) hat gesagt: „Wer möchte, dass sein Einkommen steigt und sein Leben mit Segen erfüllt wird, der soll die verwandtschaftlichen Bindungen pflegen.“[2] Familienzusammenhalt ist nicht nur der Besuch, von Fest zu Fest oder von Urlaub zu Urlaub. Zusammenhalt ist ein aufrichtiges „Wie geht es dir?“. Zusammenhalt bedeutet, ein Herz wiederzugewinnen. Zusammenhalt bedeutet, an der Tür eines Alleingelassenen zu klopfen. Das kann durch einen Anruf geschehen, ein Dua, einen Besuch. Diese scheinbar kleinen Gesten stärken die Verbindungen, die zu zerreißen drohen. Unsere Gelehrten haben Sila ar-Rahim so beschrieben: die Beziehung zu den Verwandten aufrechterhalten, ihre Rechte achten und ihnen Gutes tun. Liebe Geschwister! Nun, da die Ferienzeit beginnt, möchten viele von uns ihre Herkunftsländer besuchen. Es liegt an uns, den Urlaub zu einer Reise werden zu lassen, die den Familienzusammenhalt stärkt und so zu einer Ibada wird. Wenn wir uns auf den Weg machen, so lasst uns die Absicht fassen, unseren Familienzusammenhalt zu stärken – so wird unsere Reise selbst zu einem Gottesdienst. Geben wir eine kleine Sadaka, denn schon eine kleine Wohltat wehrt großes Unheil ab. Erinnern wir uns: Starke Familien bilden starke Gesellschaften, und starke Gesellschaften bilden eine starke Umma. Nehmen wir Anteil an der Freude des anderen und tragen wir auch seinen Kummer. Lassen wir Kränkungen zwischen uns und unseren Angehörigen nicht zunehmen. Lasst uns mutig sein und den ersten Schritt zur Versöhnung tun. Denn manchmal löst ein einziger Gruß den Ärger vieler Jahre auf. Unser Prophet (s) hat gesagt: „Der wahre Familienzusammenhalt besteht darin, die Beziehung auch zu dem Verwandten aufrechtzuerhalten, der die Beziehung zu einem selbst abgebrochen hat.“[3] O Allah! Öffne unsere Herzen füreinander. Gib uns die Kraft, unseren Pflichten gegenüber unseren Eltern, Verwandten und Nachbarn treu nachzukommen. Hebe die Kränkungen zwischen uns auf. Stärke die Zuneigung unter uns und mache uns zu Dienern, die den Zusammenhalt wahren, die Herzen zusammenführen und die Geschwisterlichkeit leben und weitergeben. Âmîn! [1] Sure Nisa, 4:46 [2] Buhari, Adab, 12 [3] Buhari, Adab, 15 Hutba – Deutsch Hutba – Türkisch Hutba – Arabisch Hutba – Englisch Hutba – Niederländisch Hutba – Französisch Hutba – Schwedisch Hutba – Dänisch

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Hutba am Freitag – unser wöchentliches Erwachen

Verehrte Muslime! Heute ist Freitag, der wöchentliche Festtag der Gläubigen. Es ist ein gesegneter Tag, an dem die Herzen Ruhe finden; eine gottgegebene Gelegenheit, die uns Woche für Woche neu mit Allah, mit unseren Geschwistern und mit unseren Werten verbindet. Im Koran heißt es: „O ihr Gläubigen! Wenn am Tage des Versammelns zum Gebet gerufen wird, dann eilt zum (gemeinsamen) Gedenken an Allah und lasst den Handel ruhen. Das ist besser für euch, wenn ihr es nur wüsstet.“[1] Dieser Koranvers macht deutlich, dass das Freitagsgebet weit mehr ist als eine persönliche Andacht. Den Freitag zu begehen heißt, Handel und Arbeit, Büro und Rechnungen, all die alltäglichen Sorgen für einen Augenblick beiseitezulegen und sich dem Schöpfer zuzuwenden.   Unser Prophet (s) hat den großen Wert des Freitags mit folgenden Worten beschrieben: „Der beste Tag, an dem die Sonne aufgeht, ist der Freitag. An diesem Tag wurde Adam erschaffen, an diesem Tag wurde er ins Paradies eingelassen, und an diesem Tag wurde er aus dem Paradies entlassen.“[2] Der Freitag ist also kein gewöhnlicher Tag. Er ist ein besonderer Augenblick, an dem die Tore der göttlichen Barmherzigkeit offenstehen, an dem Duâs Erhörung finden und an dem die Gläubigen in derselben Reihe zueinanderfinden.   Ein wichtiger Bestandteil des Freitagsgebets ist die Hutba. Eine Hutba ist nicht bloß eine Rede. Sie ist eine Ansprache an die Umma Muhammads (s), eine Erinnerung an die Botschaft Allahs. Die Gelehrten haben deshalb darauf hingewiesen, dass die Hutba Teil des Freitagsgebets ist. Deshalb ist es wichtig, der Hutba aufmerksam zuzuhören und Ohren wie Herz für ihre Botschaft zu öffnen. Unser Prophet (s) sagte: „Wenn du am Freitag, während der Imam die Hutba hält, zu deinem Nachbarn auch nur ‚Sei still!‘ sagst, hast du etwas Unwichtiges getan.“[3]   Liebe Geschwister! Manchmal sehen wir, dass während der Hutba geredet wird oder manche sich mit ihrem Handy beschäftigen. Das ist unangemessen. Denn die Hutba ist eine Versammlung der Rechtleitung. Sie bereitet auf das Gebet vor. Diese Zeit gehört nicht den weltlichen Dingen, sondern dem Wort Allahs und der Botschaft des Gesandten.   Unser Prophet (s) hat empfohlen, vor dem Freitagsgebet die Waschung sorgfältig zu vollziehen, saubere und schöne Kleidung anzuziehen, einen angenehmen Duft aufzutragen und früh in die Moschee zu kommen. Denn ein Gläubiger achtet auf Körper und Herz zugleich, wenn er vor seinen Schöpfer tritt. Lasst uns darum wetteifern, früher in die Moschee zu kommen und in den vorderen Reihen Platz zu finden. Denn wer sich von der Moschee und von der Rechtleitung entfernt, der nähert sich den Einflüsterungen des Schaytân.   In einer weiteren Überlieferung sagt unser Prophet (s): „Wer die Waschung sorgfältig vollzieht, zum Freitagsgebet kommt, der Hutba zuhört und schweigt, dem werden die Sünden zwischen zwei Freitagen vergeben.“[4]  Wer während der Hutba, etwas Unnützes tut, hat die Pflicht des Freitagsgebets nicht erfüllt. Lasst uns deshalb unseren Tag so planen, dass wir am Freitagsgebet teilnehmen können und Allahs Segen erhalten.   Möge Allah uns zu jenen zählen, die das Freitagsgebet verrichten, der Hutba aufmerksam zuhören und ihre Botschaft ausleben. Möge Allah unsere Herzen mit dem Segen des Freitags und unseren Verstand mit der Hutba beleben. Möge Allah unsere Einheit, unsere Geschwisterlichkeit und unsere Verbundenheit stärken und fortbestehen lassen. Âmîn! [1] Sure Dschuma, 62:9 [2] Muslim, Dschuma, 18 [3] Muslim, Dschuma, 27; Buhârî, Dschuma, 36 [4] Muslim, Dschuma, 26   Hutba – Deutsch Hutba – Türkisch Hutba – Englisch Hutba – Arabisch Hutba – Französisch Hutba – Niederländisch Hutba – Dänisch Hutba – Schwedisch  

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Der 1. Juli ist ein Prüfstein für unsere Demokratie

„Antimuslimischer Rassismus ist kein Randproblem, sondern eine Bewährungsprobe für den Rechtsstaat“, erklären Aynur Handan Yazıcı, Vorsitzende der Frauenorganisation der Islamischen Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG), und Zehra Karataş, Vorsitzende der Frauen-Jugendorganisation der IGMG. Anlass ist der Tag gegen antimuslimischen Rassismus. Es erinnert an den rassistisch motivierten Mord an Marwa El-Sherbini im Dresdener Landgericht. Antimuslimischer Rassismus darf in Deutschland nicht länger als Randproblem verharmlost werden. Zum 1. Juli, dem Tag gegen antimuslimischen Rassismus, fordert die Islamische Gemeinschaft mehr Schutz für Betroffene, verbindliche Schutzkonzepte für Moscheen und muslimische Einrichtungen sowie eine klare politische Antwort auf die wachsende Zahl antimuslimischer Vorfälle. Aynur Handan Yazıcı: „Der 1. Juli erinnert an Marwa El-Sherbini, die 2009 im Landgericht Dresden ermordet wurde. Ihr Ehemann wurde bei dem Angriff lebensgefährlich verletzt, ihr dreijähriger Sohn wurde Zeuge des gewaltsamen Todes seiner Mutter. Der Mord war eine Zäsur. Er zeigte auf schreckliche Weise, wohin Hass führen kann, wenn Menschen wegen ihres Glaubens, ihrer Herkunft oder ihrer sichtbaren muslimischen Identität entmenschlicht werden. Das Gedenken daran darf nicht folgenlos bleiben. Wer den Rechtsstaat verteidigt, muss auch diejenigen schützen, die sich an ihn wenden. Marwa El-Sherbini suchte Recht – und wurde an einem Ort ermordet, der Schutz versprechen sollte, einem Gerichtsgebäude. Dieser Widerspruch verpflichtet Staat und Gesellschaft bis heute.“ Das aktuelle CLAIM-Lagebild zeigt, dass antimuslimischer Rassismus kein Problem von gestern ist. Für das Jahr 2025 wurden bundesweit 4.096 antimuslimische Vorfälle dokumentiert. Das sind im Schnitt elf Fälle pro Tag, bei einem erheblichen Dunkelfeld. Hinter diesen Zahlen stehen Menschen, die beleidigt, bedroht, ausgegrenzt oder angegriffen werden. Aynur Handan Yazıcı weiter: „Besonders häufig trifft dieser Rassismus muslimische Frauen. Marwa El-Sherbini wurde auch angefeindet, weil sie als Muslimin sichtbar war. Bis heute erleben viele muslimische Frauen Anfeindungen im öffentlichen Raum, in Bildungseinrichtungen, im Beruf und bei Behörden. Wer Gleichberechtigung ernst meint, darf diese Erfahrungen nicht ausblenden.“ Auch Moscheen und muslimische Einrichtungen brauchen verlässliche Schutzkonzepte. Religionsfreiheit bleibt ein leeres Versprechen, wenn muslimisches Leben zwar rechtlich geschützt ist, praktisch aber Angst vor Drohungen, Angriffen und Beschädigungen haben muss. Zehra Karataş: „Antimuslimischer Rassismus betrifft nicht nur Musliminnen und Muslime. Er richtet sich gegen die Grundwerte einer freien und demokratischen Gesellschaft. Deshalb ist sein entschiedenes Zurückweisen keine Aufgabe einer einzelnen Gemeinschaft, sondern eine gemeinsame Verantwortung von Politik, Medien, Bildungsinstitutionen und Zivilgesellschaft. Die im Grundgesetz garantierte Menschenwürde, Gleichbehandlung und Religionsfreiheit müssen für alle Menschen uneingeschränkt gelten. Wo Menschen aufgrund ihres Glaubens oder ihrer sichtbaren religiösen Identität Angst vor Diskriminierung oder Gewalt haben müssen, steht nicht nur ihre Freiheit, sondern die Glaubwürdigkeit unseres Rechtsstaates auf dem Spiel.“ Im islamischen Verständnis ist die Würde des Menschen keine Gefälligkeit der Mehrheit, sondern eine Verpflichtung vor dem Schöpfer. Der 1. Juli ist daher kein muslimischer Sondergedenktag. Er ist ein demokratischer Prüfstein: Eine offene Gesellschaft zeigt sich nicht daran, wie gern sie Vielfalt beschwört, sondern daran, wie entschlossen sie Menschen schützt, wenn diese Vielfalt angegriffen wird.

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Mumin in Zeiten einer Wirtschaftskrise

Verehrte Muslime! Schwierigkeit und Erleichterung wechseln in der Dunya regelmäßig. Beide sind für den eine Prüfung in Geduld, Hingabe und Dienerschaft. Allah sagt im edlen Koran dazu: „Und ganz gewiss werden wir euch mit ein wenig Furcht und Hunger und mit Verlust an Besitz, Leben und Früchten prüfen. Doch verkünde frohe Botschaft den Geduldigen.“[1] Ein Mumin weiß, dass Besitz, Gesundheit und alle Möglichkeiten, die ihm zuteilwerden, kein absolutes Eigenrecht sind. Sie sind eine Gabe Allahs. Sie sind ihm nur für eine festbestimmte Zeit anvertrautr. Mit diesem Bewusstsein fällt es leichter, Schwierigkeiten geduldig zu tragen, ohne in Auflehnung oder Angst zu verfallen.   Im Laufe der Geschichte sind viele Gesellschaften durch wirtschaftliche Not und Hungersnöte geprüft worden. Auch heute erleben wir überall auf der Welt Kriege in unterschiedlichem Ausmaß, Energiekrisen, Lebensmittelknappheit und wirtschaftliche Unsicherheit. Doch ein bewusster Mumin weiß, dass allein Allah der Versorger ist, und blickt mit Vertrauen auf ihn in die Zukunft. Im edlen Koran heißt es eindeutig: „Es gibt kein Lebewesen auf der Erde, dessen Versorgung nicht Allah obliegt.“[2] Und unser Prophet (s) erinnert uns daran, dass jeder Mensch die Versorgung, die für ihn bestimmt ist, noch zu Lebzeiten erhalten wird und dass er deshalb niemals zu verbotenen Wegen greifen soll: „O ihr Menschen! Fürchtet Allah und sucht eure Versorgung auf einem guten Weg. Niemand wird sterben, ohne die ihm zugedachte Versorgung erhalten zu haben — auch wenn sie spät kommt. So fürchtet Allah und sucht eure Versorgung auf einem guten Weg. Nehmt das Erlaubte und hütet euch vor dem Verbotenen!“[3]   Zugleich soll der Gläubige bei allem Vertrauen auf seinen Herrn auch vorsorgen für schwere Tage und Verschwendung vermeiden. Vor allem in unserer Zeit ist es mehr als ratsam, sich von der weit verbreiteten Krankheit des übermäßigen Konsums fernzuhalten. Ein Mumin wahrt das Gleichgewicht zwischen Bedarf und Verschwendung.   Liebe Geschwister! Allah warnt uns davor Gedanken, Angst vor Armut zu haben: „Der Teufel droht euch Armut an und befiehlt euch Schändliches. Allah aber verheißt euch seine Vergebung und Huld. Und Allah ist allumfassend und wissend.“[4] Die Angst vor Armut, von der im Vers die Rede ist, ist die Sorge, dass der eigene Besitz durch Spenden kleiner wird.   Vergessen wir nicht: Auch unser Prophet (s) und seine Gefährten standen unter schwerem wirtschaftlichem Druck. Doch gerade in diesen schweren Tagen haben sie einander unterstützt und mehr geteilt. Diese goldene Genration ist unsere Orientierung, um für die Armen, Bedürftigen und die Unterdrückten einzustehen. Wir achten auf unsere Ausgaben, aber wir vergessen die Bedürftigen nicht.   Möge Allah der Erhabene uns zu Dienern machen, die Seiner Gnade teilhaftig werden und ihrem Herrn aufrichtig vertrauen. Möge Er uns vor den Einflüsterungen des Teufels bewahren. Amin. Âmîn! [1] Sure Bakara, 2:155 [2] Sure Hûd, 11:6 [3] Ibn Mâdscha, Tidschâra, 2 [4] Sure Bakara, 2:268   Hutba – Deutsch Hutba – Türkisch Hutba – Englisch Hutba – Arabisch Hutba – Niederländisch Hutba – Französisch Hutba – Schwedisch Hutba – Dänisch

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Internationale Konferenz: Muslime aus 17 Ländern beraten über gemeinsame Herausforderungen

Offizielle Vertreter muslimischer Gemeinschaften und Dachorganisationen aus 17 Ländern sind am Sonntag, den 13. Juni 2026, auf Einladung der Islamischen Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG) und Hasene International bei Köln zusammengekommen. Im Mittelpunkt der Konferenz standen aktuelle religiöse, gesellschaftliche und institutionelle Herausforderungen sowie Möglichkeiten einer langfristigen grenzüberschreitenden Zusammenarbeit. An der Konferenz nahmen Delegationen aus Deutschland, Österreich, Slowenien, Kroatien, Serbien, Ungarn, der Ukraine, Georgien, Kirgisistan, der Mongolei, Griechenland, Polen, Litauen, Estland, Bosnien-Herzegowina, Bulgarien und Nordmazedonien teil. Die Teilnehmenden tauschten sich über die Situation muslimischer Gemeinschaften in ihren jeweiligen Ländern aus und erörterten gemeinsame Lösungsansätze für aktuelle Herausforderungen. Die Konferenz brachte muslimische Institutionen mit unterschiedlichen historischen Erfahrungen zusammen. Während in Westeuropa Fragen der institutionellen Gleichstellung und gesellschaftlichen Teilhabe im Vordergrund stehen, prägen auf dem Balkan insbesondere Minderheitenrechte und historische Kontinuitäten die Debatten. Im Kaukasus und in Zentralasien stehen religiöse Bildung und Jugendarbeit im Fokus, während kleinere Gemeinschaften im Baltikum verstärkt um gesellschaftliche Sichtbarkeit ringen. In seiner Eröffnungsrede betonte der Berater des IGMG-Vorsitzenden und Leiter des Organisationskomitees, Abdi Taşdöğen, die Bedeutung gemeinsamer Verantwortung: „Die aktuellen Herausforderungen muslimischer Gemeinschaften in Osteuropa, im Kaukasus und in Zentralasien sind nicht allein regionale Angelegenheiten. Sie betreffen uns alle. Probleme mögen regional sein, Lösungen sind jedoch nur mit einer globalen Vision und durch Solidarität möglich.“ Ziel der Konferenz war es, einen offenen Austausch zu fördern, gemeinsame Lösungsansätze zu entwickeln und dauerhafte Kommunikations- und Kooperationsstrukturen zwischen muslimischen Institutionen aufzubauen. Berater des IGMG-Vorsitzenden und Leiter des Organisationskomitees, Abdi Taşdöğen Der stellvertretende IGMG-Vorsitzende und Vorsitzender von Hasene International, Bekir Altaş, hob die Bedeutung humanitärer Zusammenarbeit hervor: „Hilfe ist mehr als eine kurzfristige Unterstützung in Krisenzeiten. Sie bedeutet, Menschenwürde zu schützen, Bedürftigen beizustehen und die Geschwisterlichkeit lebendig zu halten.“ Zugleich verwies Altaş auf die unterschiedlichen Erfahrungen und Kompetenzen der teilnehmenden Institutionen. Der gegenseitige Austausch ermögliche es, voneinander zu lernen und gemeinsame Projekte zu entwickeln. Stellvertretende IGMG-Vorsitzende und Vorsitzender von Hasene International, Bekir Altaş In mehreren Panels diskutierten die Teilnehmenden über die institutionelle Anerkennung muslimischer Gemeinschaften, Minderheitenrechte, religiöse Bildung, Jugendarbeit sowie die Auswirkungen aktueller Krisen und Konflikte. Besondere Aufmerksamkeit galt den Erfahrungen muslimischer Gemeinschaften in der Ukraine. Der ukrainische Mufti, Aider Rustamov, berichtete über die Auswirkungen des Krieges und die humanitären Herausforderungen vor Ort. Er betonte zugleich die Rolle muslimischer Institutionen bei der Unterstützung der Bevölkerung. Ukrainische Mufti, Aider Rustamov Auch die Situation muslimischer Minderheiten in Westthrakien, die historischen Tatarengemeinschaften in Polen und Litauen sowie Fragen der religiösen Bildung und des digitalen Wandels im Kaukasus und in Zentralasien wurden thematisiert. Im abschließenden Evaluationspanel unterstrich der IGMG-Vorsitzende Kemal Ergün die Bedeutung nachhaltiger Zusammenarbeit zwischen muslimischen Institutionen: „Unser Ziel ist es nicht, einmal zusammenzukommen und danach auseinanderzugehen.“ Die Herausforderungen muslimischer Gemeinschaften sind vielfach miteinander verbunden und machten grenzüberschreitende Zusammenarbeit zunehmend notwendig. Insbesondere in den Bereichen Jugend, Bildung, Religionsdienste und humanitäre Hilfe sollen die bestehenden Kontakte weiter ausgebaut werden. IGMG-Vorsitzende Kemal Ergün Die Konferenz endete mit einer Koranrezitation, einem gemeinsamen Gebet und einem Gruppenfoto. Die Veranstalter bewerteten das Treffen als wichtigen Schritt zum Ausbau dauerhafter Netzwerke und zur Vertiefung der Zusammenarbeit zwischen muslimischen Institutionen aus Europa und Asien.

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Gerechtigkeit und Verantwortung

Verehrte Muslime! Unsere Religion verlangt von jedem einzelnen Gläubigen, gerecht zu handeln und das Anvertraute treu zu bewahren. In der Gesellschaft soll kein Unrecht geschehen. Menschen sollen ihre gegenseitigen Rechte achten und eine Atmosphäre des Vertrauens soll herrschen. Im Koran heißt es: „Allah gebietet euch, die euch anvertrauten Güter ihren Eigentümern zurückzugeben, und wenn ihr unter den Leuten richtet, nach Gerechtigkeit zu richten.“[1] Denn dort, wo das Anvertraute nicht geschützt wird, gerät die Waage der Gerechtigkeit aus dem Gleichgewicht.   Gerechtigkeit ist von grundlegender Bedeutung für die Gesellschaft. Sie ist die Stimme des Gewissens, die Grundlage des inneren Friedens und das Fundament des Vertrauens. Gerecht zu sein heißt, jedem das zu geben, was ihm zusteht. Es heißt, das Recht hochzuhalten, selbst wenn es gegen uns selbst spricht. Unser Prophet (s) hat uns eindringlich vor Unrecht gewarnt: „Hütet euch vor Unrecht! Denn das Unrecht wird am Tag der Auferstehung für den Unterdrücker zu tiefster Finsternis.“[2]   Das Anvertraute ist nicht nur das Gut oder der Gegenstand, den uns jemand zur Aufbewahrung gibt. Unsere Familie, unsere Kinder, unsere Aufgaben, unsere Stellung, unser Wissen, unser Leben und die Gesellschaft, in der wir leben, unsere Religion und unzählige weitere Gaben sind uns als Anvertrautes übergeben worden. Mit all dem sollen wir gerecht und sorgfältig umgehen. Denn Gerechtigkeit ist nicht nur Sache derjenigen, die Verantwortung tragen. Sie ist die Aufgabe jedes Einzelnen von uns. Ein Vater seinen Kindern gegenüber, ein Arbeitgeber gegenüber seinem Angestellten, ein Angestellter gegenüber seiner Arbeit, ein Händler gegenüber seinem Kunden, ein Lehrer gegenüber seinem Schüler, ein Nachbar gegenüber seinem Nachbarn. Kurz gesagt: Jeder Mensch soll gegenüber seinem Schöpfer, seinen Mitmenschen und allem Erschaffenen das Recht wahren.   Liebe Geschwister! Für all jene, die in jeder Lebenslage auf die Gerechtigkeit achten, gibt es in einer Überlieferung diese frohe Botschaft: „Diejenigen, die sich gegenüber den ihnen Anvertrauten, ihren Familien und denen, für die sie Verantwortung tragen, gerecht verhalten, werden bei Allah, an der Seite des Barmherzigen, auf Kanzeln aus Licht empfangen.“[3]   In der Welt, in der wir heute leben, müssen leider unzählige Menschen unter Unrecht und Hunger leiden. Viele Bedrängte leben unter unwürdigen Bedingungen und haben nicht einmal Zugang zu sauberem Essen und Trinkwasser. Unsere Aufgabe ist es, den stummen Schrei dieser Menschen zu hören. Wir sollen ihren Anspruch auf Gerechtigkeit unterstützen und mit Verantwortungsbewusstsein für sie eintreten. Gerechtigkeit zu wahren bedeutet manchmal, ein Leben zu retten. Manchmal bedeutet es, sich dem Unterdrücker entgegenzustellen und an der Seite des Unterdrückten zu stehen.   Ein Gläubiger weiß, dass er für jedes Anvertraute vor Allah Rechenschaft ablegen wird. Unser geliebter Prophet (s) hat uns diesen schönen Maßstab guten Verhaltens gegeben: „Gib dem, der dir etwas anvertraut hat, das Anvertraute zurück. Und wer dich verrät, den verrate nicht.“[4] Wer mit diesem Bewusstsein lebt, der greift selbst dann nicht das Recht eines anderen an, wenn ihm selbst Unrecht widerfährt.   Möge unser Herr uns zu Dienern machen, die das Anvertraute bewahren und sich niemals von der Gerechtigkeit entfernen. Âmîn! [1] Sure Nisâ, 4:58 [2] Muslim, Birr, 56 [3] Nasâî, Âdâb al-Kudât, 1 [4] Tirmizî, Buyû, 38   Hutba – Deutsch Hutba – Türkisch Hutba – Englisch Hutba – Arabisch Hutba – Niederländisch Hutba – Französisch Hutba – Schwedisch Hutba – Dänisch

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Die Hidschra: Das islamische Neujahr

Verehrte Muslime! Am kommenden Dienstag beginnt das Jahr 1448 nach der Hidschra. Die Hidschra war die große Reise, die unser Prophet (s) mit seinen Gefährten im Jahr 622 n. Chr. von Mekka nach Medina unternommen hat. Diese gesegnete Reise gehört zu den größten Beispielen für Aufopferung, gegenseitige Hilfe und Geschwisterlichkeit. Die Auswanderer verließen ihre Heimat wegen der Feindseligkeiten, denen sie ausgesetzt waren – und sie taten es für Allah, also um ihren Glauben frei leben zu können. Die Helfer in Medina öffneten ihre Türen, teilten alles mit ihnen und nahmen sie als Geschwister im Glauben auf. Dieser Zusammenhalt in einer schwierigen Zeit ist der Grund dafür, dass der Islam bis in unsere Zeit überliefert und gelebt wird.   Im Koran heißt es: „Die Gläubigen aber, welche auswanderten und sich auf Allahs Weg abmühten und (dem Propheten) Herberge und Hilfe gewährten, das sind die wahrhaft Gläubigen. Ihnen gebührt Verzeihung und großmütige Versorgung.“[1]   Liebe Geschwister! Die Hidschra ist weit mehr als ein Umzug von einer Stadt in die andere. Sie hat eine tiefere Bedeutung. Hidschra heißt, zu vermeiden, was Allah nicht gefällt. Unser Prophet (s) sagte dazu: „Ein Muslim ist derjenige, vor dessen Hand und Zunge die anderen Muslime sicher sind. Und ein Auswanderer ist derjenige, der das verlässt, was Allah verboten hat.“[2] Die wahre Hidschra ist also nicht nur, den Ort zu wechseln, sondern Abstand zu nehmen von schlechten Dingen. Diese innere Hidschra bedeutet, sich vom Stolz des eigenen Egos und vom Einfluss des Teufels abzuwenden und sich Allahs Zufriedenheit hinzuwenden. Fragen wir uns ehrlich: Wie sehr haben wir uns im vergangenen Jahr wirklich von dem ferngehalten, was Allah missfällt? Denn ein neues Hidschra-Jahr ist immer auch eine Erinnerung daran, dass wieder ein Jahr unseres Lebens vergangen ist. Der Tod rückt näher und es ist Zeit, innezuhalten und Bilanz zu ziehen. Lasst uns das gemeinsam tun: Haben wir uns wirklich von dem, was Allah missfällt, ferngehalten? Haben wir unsere grundlegenden Ibâdas verrichtet? Das Gebet, die Zakat, das Fasten, die Hadsch? Gibt es etwas, das wir nachholen müssen? Haben wir aufrichtig Reue gezeigt? Umar (r) ging als gutes Beispiel voran und hat uns geraten: „Zieht euch selbst zur Rechenschaft, bevor ihr zur Rechenschaft gezogen werdet. Bereitet euch vor, auf den großen Tag der Abrechnung! Denn am Tag der Auferstehung wird die Abrechnung nur denen leichtfallen, die sich schon im Diesseits selbst zur Rechenschaft gezogen haben.“[3]   Möge Allah uns die Gnade geben, unser Leben mit dieser Haltung zu führen. Möge unser neues Hidschra-Jahr für die gesamte islamische Welt und für die ganze Menschheit zum Anlass für viel Gutes werden. Âmîn. [1] Sure Anfâl, 8:74 [2] Buhârî, Iman, 4 [3] Tirmizî, Sifât al-Kiyâma, 25   Hutba – Deutsch Hutba – Türkisch Hutba – Englisch Hutba – Arabisch Hutba – Niederländisch Hutba – Französisch Hutba – Schwedisch Hutba – Dänisch

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Einheit und Geschwisterlichkeit

Verehrte Muslime! Im Koran heißt es, dass die Gläubigen Geschwister sind. Diese Geschwisterlichkeit geht nicht auf die Herkunft oder Sprache der Gläubigen zurück, sondern hat mit der gemeinsamen Religion zu tun. Im Kern dieser Geschwisterlichkeit steht allein das Bewusstsein, Diener Allahs zu sein und zur Umma unseres geliebten Propheten Muhammad Mustafa (s) zu gehören. In zahlreichen Hadithen wird betont, dass Muslime einander lieben und dass ihr Iman nicht vollkommen ist, solange sie ihren Geschwistern nicht dasselbe Gute wünschen, das sie für sich selbst wünschen. Um die Liebe unter den Gläubigen zu stärken, hat unser Prophet (s) uns stets zu guten Taten ermutigt und gesagt: „Ihr werdet das Paradies nicht betreten, solange ihr nicht glaubt, und ihr werdet nicht wahrhaft glauben, solange ihr einander nicht liebt. Soll ich euch etwas zeigen, das euch dazu bringt, einander zu lieben, wenn ihr es tut? Verbreitet den Friedensgruß unter euch.“[1]   Liebe Geschwister! Im Islam wird der Geschwisterlichkeit unter Muslimen große Bedeutung beigemessen. Wer seinen Geschwistern hilft, dessen Sorgen und Nöte werden von Allah beseitigt werden. So hat unser Prophet (s) gesagt: „Ein Muslim ist der Bruder des anderen Muslims. Er tut ihm kein Unrecht und liefert ihn nicht aus. Wer seinem muslimischen Bruder in einer Not beisteht, dem steht Allah in seiner eigenen Not bei. Wer einem Muslim eine Bedrängnis nimmt, dem nimmt Allah dafür am Tag des Gerichts eine seiner Bedrängnisse. Und wer den Fehler eines Muslims verdeckt, dem verdeckt Allah am Tag des Gerichts seinen Fehler.“[2]   Den Schmerz seiner Geschwister zu teilen, ist sowohl ein Gebot unserer Religion als auch Ausdruck des Mitgefühls, das der Natur des Menschen liegt. In einem Hadith wird diese Haltung mit den Gliedern eines Körpers verglichen: „Die Gläubigen gleichen in ihrer gegenseitigen Liebe, ihrem Mitgefühl und ihrer Zuneigung einem einzigen Körper: Wenn ein Glied erkrankt, teilen die übrigen Glieder diesen Schmerz durch Schlaflosigkeit und Fieber.“[3] Genau dieser Geist der Geschwisterlichkeit zeigt sich darin, dass Muslime nicht nur ihren Nächsten helfen, sondern allen hilfsbedürftigen Menschen auf der Erde ihre Hand reichen.   Verehrte Muslime! In der Geschwisterlichkeit des Glaubens gibt es keinen Platz für ein Gegeneinander von „Du“ und „Ich“. Es geht darum, Schulter an Schulter zusammenzustehen und gemeinsam ein „Wir“ zu werden. Diese Geschwisterlichkeit führt nicht zu Spaltung und Zerfall, sondern festigt Zusammenhalt, Einheit und Gemeinsamkeit. Denn unser Band der Geschwisterlichkeit gründet auf Liebe, Mitgefühl und selbstloser Hilfsbereitschaft. Groll, Hass und Feindschaft haben hier keinen Platz. Allah verlangt von uns: „Haltet allesamt fest am Seil Allahs und spaltet euch nicht.“[4] Allah ruft uns auf zu Einheit und Zusammenhalt und warnt vor Trennung und Zerfall. Möge Allah der Erhabene uns zu Dienern machen, die ihren muslimischen Geschwistern beistehen und ihren Kummer zu ihrem eigenen machen. Möge er uns vor jeder Art von schlechten Gefühlen und Gedanken bewahren. Und möge er unsere Geschwisterlichkeit, unseren Zusammenhalt und unsere Verbundenheit stärken. [1] Muslim, Iman, 93 [2] Muslim, Birr 58 [3] Buhârî, Adab, 27; Muslim, Birr, 66 [4] Sure Âli Imrân, 3:103   Hutba – Deutsch Hutba – Türkisch Hutba – Arabisch Hutba – Englisch Hutba – Niederländisch Hutba – Französisch Hutba – Schwedisch Hutba – Dänisch

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Diskriminierung auf Höchststand: Islamische Gemeinschaft fordert wirksame Reform

„Die Zahlen sind alarmierend: Rassismus bleibt die häufigste Diskriminierungsform, muslimische Frauen sind besonders betroffen. Die geplanten Reformen reichen nicht aus“, erklärt Ali Mete, Generalsekretär der Islamischen Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG). Anlass sind Befunde aus dem Jahresbericht der Antidiskriminierungsstelle des Bundes für das Jahr 2025. Ali Mete weiter: „Der Jahresbericht der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) ist ein deutliches Warnsignal. Die Zahl der gemeldeten Diskriminierungsfälle hat mit 4.571 Beratungsanfragen einen neuen Höchststand erreicht. Besonders besorgniserregend ist, dass rassistische Diskriminierung weiterhin die häufigste Form der Benachteiligung darstellt und die Zahl der gemeldeten Fälle seit Jahren steigt. Wenn Menschen wegen ihrer Herkunft, ihrer Hautfarbe, ihres Namens oder ihrer Religion ausgegrenzt, herabgewürdigt oder benachteiligt werden, betrifft das nicht nur die unmittelbar Betroffenen. Es betrifft den Zustand unserer gesamten Gesellschaft. Ebenso alarmierend ist der erneute Anstieg von Diskriminierungen gegenüber Menschen mit Behinderungen und chronischen Erkrankungen. Der Umgang mit den Schwächsten und Verletzlichsten ist ein Maßstab für die Menschlichkeit einer Gesellschaft. Jeder Mensch besitzt die gleiche Würde und das gleiche Recht auf Respekt, Teilhabe und Chancengleichheit. Mit besonderer Sorge nehmen wir zur Kenntnis, dass muslimische Frauen mit Kopftuch weiterhin zu den besonders häufig von Diskriminierung betroffenen Gruppen gehören. 172 Beratungsanfragen gab es in diesem Bereich. Die Dunkelziffer dürfte um ein Vielfaches höher liegen; das wissen wir aus der Praxis. Diese alarmierende Entwicklung fällt nicht vom Himmel: Politische und staatliche Kopftuchverbote haben die religiöse Sichtbarkeit von Musliminnen als Problem markiert. Der Staat hat damit Ausgrenzung vorgelebt, der Alltag zieht nun nach. Diesen Teufelskreis gilt es dringend zu durchbrechen. Der ADS-Bericht macht zugleich auf erhebliche Schutzlücken aufmerksam. Viele Diskriminierungserfahrungen im Kontakt mit Behörden, öffentlichen Einrichtungen oder anderen staatlichen Stellen fallen bislang nicht unter den Schutz des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes. Gerade staatliche Institutionen müssen jedoch Vorbild für Gleichbehandlung, Fairness und Rechtsstaatlichkeit sein. Deshalb unterstützen wir die Forderung nach einer umfassenden Weiterentwicklung des Antidiskriminierungsrechts. Die derzeit diskutierten Reformschritte bleiben jedoch deutlich hinter dem tatsächlichen Handlungsbedarf zurück. Einzelne Verbesserungen können zwar hilfreich sein, sie schließen aber die zentralen Schutzlücken nicht. Das Gesetz benötigt tiefgreifende Veränderungen. Beispielsweise bleibt Diskriminierung durch staatliche Stellen weitgehend außerhalb des Anwendungsbereichs, obwohl gerade hier viele Betroffene Benachteiligungen erleben. Menschen müssen wirksam vor Benachteiligung geschützt werden – unabhängig davon, ob diese im Berufsleben, im Alltag oder durch staatliches Handeln erfolgt. Wer von Diskriminierung betroffen ist, darf nicht mit seinen Erfahrungen allein gelassen werden.“

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Barmherzigkeit und Sadaka in der Familie

Verehrte Muslime! Wir danken Allah, dass er uns das Kurbanfest gegeben hat, und uns ermöglicht hat, es im Kreise unserer Familie und Freunde zu verbringen! Mögen unsere Ibâdas angenommen werden. Die Familie ist der erste Lernort des Menschen, denn hier lernen wir Liebe, Respekt und Mitgefühl. Eine starke Gesellschaft besteht aus Familien, in denen diese Eigenschaften nicht nur gelernt, sondern gelebt werden. Liebe, Zuneigung und Mitgefühl sind wesentlich für das Familienleben, und darüber hinaus auch für die Beziehung zu unseren Verwandten. Im Koran heißt es: „Hütet euch davor, Allah gegenüber ungehorsam zu sein, und die verwandtschaftlichen Bindungen zu zerreißen.“[1] Gehorsam gegenüber Allah und Verantwortung gegenüber der Familie gehören also zusammen. Und unser Prophet (s) hat gesagt: „Der Beste unter euch ist derjenige, der am besten zu seiner Familie ist. Und derjenige unter euch, der am besten zu seiner Familie ist, bin ich.“[2] Denn jede gute Beziehung, die wir in der Familie aufbauen, ist ein Mehrwert für unsere Gesellschaft.   Liebe Geschwister! Mitgefühl bedeutet, ein sanftes Herz zu haben und die Lage anderer nachvollziehen zu können. Unser Prophet (s) hat gesagt: „Wer nicht mitfühlend ist, wird auch kein Mitgefühl erfahren.“[3] In der Familie zeigt sich das ganz konkret: kränkende Worte vermeiden, vergeben können und einander die Last erleichtern. Wenn Ehepartner einander mit Verständnis begegnen, wenn Kinder mit Liebe aufwachsen und ältere Menschen mit Achtung behandelt werden, dann ist das: gelebtes Mitgefühl. Und wer in so einer Familie aufwächst, trägt diese Güte auch in die Gesellschaft hinein.   Verehrte Muslime! Eine Sadaka, also eine Spende, umfasst im Islam nicht nur finanzielle Hilfe. Unser Prophet (s) hat darauf hingewiesen: „Deinen Bruder anzulächeln ist eine Sadaka. Das Gute zu vermitteln und dem Schlechten entgegenzuwirken, ist eine Sadaka. Jemandem, der sich verirrt hat, den Weg zu zeigen, ist eine Sadaka.“[4] Das bedeutet: Auch jede gute Tat in der Familie hat den Rang einer Sadaka. Wenn eine Mutter ihr Kind mit Geduld erzieht, wenn ein Vater sich für seine Familie einsetzt, wenn Geschwister füreinander da sind – all das ist eine wertvolle Sadaka vor Allah. Familien, die mit diesem Bewusstsein leben, finden Frieden im Diesseits und den versprochenen Lohn im Jenseits.   Vergessen wir nicht: Wo Mitgefühl fehlt, gibt es keinen Frieden, egal wie gut es uns finanziell geht. Denn Sadaka und Mitgefühl helfen nicht nur den Bedürftigen, sie heilen auch unsere eigenen Herzen. Als Muslime sollten wir daher unsere Familien zu einem Ort des Mitgefühls und der Großzügigkeit machen. Unseren Kindern sollten wir nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch die Bereitschaft zu teilen und geduldig und verständnisvoll miteinander umzugehen.   O Allah! Schenke unseren Herzen Mitgefühl, unseren Tischen Segen und unseren Familien Frieden, Beständigkeit und innere Ruhe. Âmîn! [1] Sure Nisâ, 1:4 [2] Tirmizî, Manâkib, 63 [3] Buhârî, Adab 18; Muslim, Fazâil, 65 [4] Tirmizî, Birr, 36   Hutba – Deutsch Hutba – Türkisch Hutba – Arabisch Hutba – Englisch Hutba – Niederländisch Hutba – Französisch Hutba – Schwedisch Hutba – Dänisch

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